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Eisenach: Kurz-Informationen zur Entwicklung in Frankreich

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Wir hatten am 12.5. in Mulhouse ein Treffen mit 24 Kollegen aus 6 Werken, drei aus Deutschland, drei aus Frankreich. In Sochaux haben wir 2500 Flugblätter verteilt, eine Presserklärung gemacht und die Presse hat ausführlich darüber berichtet. Sochaux (12.000 Beschäftigte) und Mulhouse (9400) sind die zwei größten Werke des Konzerns. Seit diesem Treffen bekommen wir regelmäßige Informationen und informieren auch die Kollegen in Frankreich über wichtige Entwicklungen. In Spanien gab es ebenfalls ein Treffen von drei Gewerkschaften aus den Werken Vigo und Madrid (PSA) sowie Zaragoza (Opel).

PSA hat vier oder fünf Entwicklungszentren mit zusammen 14.000 Beschäftigten, davon soll eines mit 2100 Beschäftigten in der Nähe von Paris geschlossen werden (La Garenne). Die dauerhafte Übernahme des Rüsselsheimer Entwicklungszentrums (8000 Beschäftigte) ist ein Brennpunkt der Auseinandersetzung um die Fusion PSA-Opel.

Im Zusammenhang mit dem Rücktritt des Opel-Chefs Neumann hat PSA-Chef Tavares bekräftigt, dass er in drei Jahren Profite sehen will. Das deutsche Management soll dafür einen Plan vorlegen. Es ist klar, dass das nicht ohne Arbeitsplatzvernichtung, verschärfte Ausbeutung und wahrscheinlich auch Werksschließungen abgeht.

Die Situation in Frankreich gibt einen Vorgeschmack auf die „Win-Win-Situation“ mit der Fusion (offizielle Präsentation der Pläne in den letzten Versammlungen).

Arbeitsniederlegungen gibt es aktuell vier Mal in Sochaux (Gegen längere Schichten bis 8,5 Stunden, kürzere Pausen und ständige Samstagsarbeit sowie eine Regelung, dass ausgefallene Autos in der Woche mit Überstunden nachgeholt werden müssen), zwei Mal in Rennes, aus ähnlichen Gründen in Trémery und Valenciennes (SEVEL Nord), auch in Metz drohen die Gewerkschaften mit Streik, in La Garenne wurde am 9.6. die Arbeit niedergelegt (gegen die geplante Schließung dieses Entwicklungszentrums – hier rief auch die CFDT auf). Metz und Valenciennes sind vor allem wegen der Umstellung auf Elektromotoren und Rückgang des Diesel bedroht. In Poissy wird der Gewerkschaftsvorsitzende Farid Borsali mit Kündigung bedroht. Zum Gerichtstermin 23.6. in Versailles werden Delegationen aus allen PSA-Werken erwartet. Insgesamt sind in den letzten 6 Monaten 1 Gewerkschaftsaktivist entlassen worden, 5 weitere Kündigungsanträge wurden von der staatlichen Arbeitsinspektion abgelehnt, 13 weitere Aktivisten erhielten Abmahnungen. 13 Aktivisten erhielten Lohnabzug von 26 Tagen für gewerkschaftliche Wahlkampf-Aktivitäten. Dafür werden Spenden gesammelt. „Die CGT stört, die Direktion will sie beseitigen“ schreibt die CGT. Die Kollegen in Poissy haben geschrieben, dass es nicht gelingt, sie zu isolieren und zu demoralisieren, dass sie bei den letzten Wahlen wieder stärkste Gewerkschaft wurden.

Beim Zulieferer GM&S geht der Kampf weiter mit Werksbesetzung und Drohung mit Zerstörung des Werkes. Ein anderer Zulieferer in Gérardmer (Vogesen) hat am 12.6. den unbefristeten Streik um höhere Löhne begonnen.

Am 9.6. wurde ein offener Brief der drei treuesten Gewerkschaften CFTC, GFE-CGC und GSEA-SIA an Xavier Chéreau, oberster Personalchef von PSA, verteilt, mit der Klage, dass sich das soziale Klima im Konzern dramatisch verschlechtert. Sie würden gern ihrer Verantwortung gerecht werden, aber die unbegrenzte Performance und die überzogene Flexibilisierung erlauben keine Harmonie mehr. Sie wenden sich mit einem Flugblatt an die Beschäftigten, in dem sie das „explosive soziale Klima im Konzern“ beklagen und erneut an die Direktion appellieren.

Am gleichen Tag verteilt die FO, knapp stärkste Gewerkschaft bei PSA und ebenfalls Unterzeichner des Erpresserpaktes, ein Flugblatt, in dem sie von der Geschäftsleitung fordert, bis 1. Juli konkrete Maßnahmen zur Verbesserung des sozialen Klimas zu ergreifen, ansonsten werde sie ab Juli für jeden Freitag zu 30 Minuten Arbeitsniederlegung aufrufen (zwei Wochen vor den Ferien ist das eher symbolisch gemeint).

Jedenfalls hat sich die Situation gegenüber April, wo von der Ruhe vor dem Sturm die Rede war, deutlich verändert. Es zeigt deutlich, worauf die deutschen, spanischen und anderen Belegschaften sich einstellen müssen. Der gemeinsame länderübergreifende Kampf muss vorbereitet werden!

Die Pläne der neuen Regierung Macron (längere Arbeitszeit, Reform des Arbeitsrechts…) werden zusätzlich Öl ins Feuer gießen.