Drucken

Newsletter Nr. 1 - VW Konzern

am .

Internationaler Sprecher VW Konzern Deutschland, Spanien, Brasilien 26.4.16

Newsletter Nr. 1 - VW Konzern

Liebe Freundinnen und Freunde,

hier liegt das erste Mal ein internationaler Rundbrief vor, der von brasilianischen, spanischen und deutschen Kollegen gemeinsam erstellt wurde. Ein Novum in der internationalen Zusammenarbeit von Kollegen und Kolleginnen an der Basis. Wir setzen hiermit einen der Beschlüsse des 1. internationalen Automobilarbeiter- Kongresses vom Oktober 2015 um.

Die 3 internationalen Sprecher haben dazu eng zusammengearbeitet und mit Hilfe der fähigsten Übersetzer von „Solidarität International“ eine hohe Einheit erzielt. Vielen Dank an diese!!

Sicher, es ist erst ein Anfang. Das Bedürfnis nach mehr und schnellerem Austausch ist enorm. Schon bestehende Kontakte müssen für diesen Austausch aktiviert werden und auch noch erweitert werden. Wir werden alle diese Anforderungen mit diesem Newsletter nicht erfüllen können. Vielen dank für die Berichte, wir mussten sie ein wenig kürzen.

Verschiedene Werke stellen sich vor und geben einen ersten Überblick über die Situation in der VW Krise und den Kampf gegen die dreisten Versuche die Lasten auf die Belegschaft und deren Familien und die ganze Bevölkerung abzuwälzen. Unsere spanischen Freunde von der CGT haben eine hervorragende politische Initiativen entwickelt und Forderungen an die spanische Regierung gestellt, vor allem gegen den Aspekt der Zerstörung der natürlichen Umwelt und der Vergiftung der Menschen. Die Marxistische – Leninistische Partei Deutschlands, deren Genossen immer tatkräftig die Automobilarbeiterbewegung unterstützen, hat eine umfassende Broschüre zur VW Krise herausgegeben, die leider erst in deutscher Sprache vorliegt.v0

Wir freuen uns auf eure Bewertung und weitere Anregungen, die auch mit der Internationalen Koordinierungsgruppe der 1. Automobilarbeiterkonferenz , falls notwendig, beraten werden. Das ist besonders wichtig, damit wir ein weiteres Newsletter für den Herbst 2016 vorbereiten können.

Wir beginnen mit dem Bericht aus Brasilien von Fausto von der CSP Conlutas:

VW hat in Brasilien vier Standorte, den Betrieb Anchieta in São Bernardo do Campo, Taubaté im Inland des Bundestaats São Paulo, São José dos Pinhais im Bundesstaat Paraná im Süden des Landes und eine Motorenfabrik São Carlos, ebenfalls im Inland von São Paulo. Abgesehen von diesen Standorten gehört zur Volkswagengruppe ein Betrieb von Scania, ebenfalls in São Bernardo do Campo und ein Betrieb von MAN (bekannt als Volkswagen Lastwagen) in Resende im Inland von Rio de Janeiro.

Betrieb Anchieta

Dieses ist der älteste Betrieb in Brasilien, gebaut in den 50er Jahren, und hatte mal über 40.000 Arbeiter. Damit war er der größte Betrieb von VW in Brasilien, heute jedoch sind es aufgrund der Prozesse zur Umstrukturierung der Produktion (Outsourcing und Automatisierung) nur noch wenig über 10.000 Beschäftigte.

Aktuell werden nur zwei Modele produziert, Gol und Saveiro, weiterhin wird der Jetta montiert im CKD (Completely Knock-Down) Verfahren, die Teile dafür werden in einem Betrieb in Mexiko hergestellt. Es wurde mit der Errichtung einer Linie begonnen um den neuen Gol (in Europa wäre das der Polo) zu produzieren, dieses Projekt befindet sich aber noch in der Startphase und der geschätze Proudktionsbeginn liegt im zweiten Halbjahr 2017.

Dieser Betrieb leidet am stärksten unter der Krise mit der Verringerung der Produktion auf zwei Modelle (2013 wurde noch zwei Modelle gefertigt vom Gol, Polo, Saveiro und Kombi). Die Produktionskapazität liegt bei 380 Tausend Autos pro Jahr, aber dieses Jahr werden nur 180 Tausend hergestellt.

Betrieb Taubaté

Dies ist der zweitgrößte Betrieb und der älteste von VW in Brasilien, er war ebenso von vielen Umstrukturierungsprozessen betroffen und heute arbeiten dort ca. 5.000 Arbeiter. Es werden drei Modelle produziert, auch der Gol (die Produktion wird mit dem Betrieb Anchieta geteilt), der Voyage (die Version Sedan des Gol) und der Up.

Das Produktionsziel für dieses Jahr liegt ebenfalls wesentlich unter der möglichen Kapazität, auf ca. ??? Tausend Autos.

Betrieb São José dos Pinhais

Dadurch dass es ein relativ neues Werk ist (1999), ist dieser Betrieb der modernste von VW Brasilien im Hinblick auf Technologie, er hat eine kompakte Struktur, anfänglich wurde er konstruiert um Autos für Audi herzustellen. Indes aber wurden Teile der Produktion der VW-Modelle zu diesem Betrieb transferiert. Dieser Betrieb hat ca. 3.300 Arbeiter und produziert die Linie Fox (Fox, CrossFox und SpaceFox), Golf und Audi A3 Sedan.

Betrieb São Carlos

Dieser Betrieb wurde ausschließlich zu dem Zweck konstruiert, alle Motoren für alle Standorte in Lateinamerika zu produzieren. Ca. 60 verschiedene Motormodelle werden gebaut, es gibt 800 Beschäftigte und der Betrieb wird als Komponentenwerk angesehen (hier in Brasilien unterscheidet man im Automobilsektor zwischen den Betrieben zur Montage und der Produktion der Autoteile).

Entwicklung von VW in Brasilien

VW in Brasilien war über einige Jahrzehnte Marktführer, hatte seit der Epoche des Käfers immer am meisten Autos verkauft, aber im 2000 verlor er die Marktführung an Fiat und erholte sich davon nicht mehr. Durch den Einzug anderer Marken auf den Markt wie z.B. asiatische Automobilhersteller, hat sich dieser Bereich noch mehr verkleinert und der prozentuale Anteil am Markt nahm ab.

Im vergangenen Jahr wurde VW vom 2. Platz auf dem Weltmarkt durch GM (General Motors) verdrängt und seitdem ist der Gol auch nicht mehr das meistverkaufte Auto wie er es über lange Jahre hinweg war.

Politische Konjunktur

Brasilien befindet sich momentan in einer sehr schweren wirtschaftlichen und politischen Krise, nach 14 Regierungsjahren der Volksfront (PT partido dos trabalhadores, Partei der Arbeiter) brach ihre Wirtschaftspolitik in sich zusammen. Diese Wirtschaftsstrategie bestand darin, öffentlichen Geldressourcen den Privatunternehmen zu überlassen damit diese investieren und die Ertragssteuern hoch bleiben, während die öffentlichen Mittel sich erschöpften und Austeritätsmaßnahmen ergriffen wurden um das Loch zu überdecken, das durch diese Politik entstanden war.

Die durch die Regierung ergriffenen Maßnahmen umfassten Angriffe auf die Arbeiterklasse, Beschneidung der Arbeitsrechte wie in der Arbeitslosenversicherung, Sozialhilfe, Pensionen, darüberhinaus Einschnitte bei den Mitteln für Bildung, Gesundheit und Sozialpläne.

Dazu kommt ein groß angelegtes Netz an Korruption in welches auch das größte lateinamerikanische Unternehmen Petrobras verstrickt ist und wodurch die Verfaultheit der brasilianischen Politik aufgedeckt wurde. Die PT, die viel Unterstützung der Arbeiter hatte, verliert zunehmen auf zerstörerische Art ihre Basis. Die gewerkschaftlichen Bürokraten, hauptsächlich aus der “Central Única dos Trabalhadores” – CUT, welche direkt mit dieser Partei verbunden sind, wird als politischer Pol dieser Organisation in Frage gestellt. Der altgediente Flügel der der Rechten nutzt diese Situation für sich und präsentiert die konservativsten Pläne, ebenso so wie mithilfe staatlicher Institutionen versuchen die Regierung zu stürzen.

In diesen Tagen beschäftigt sich der Kongress mit Gesetzen über die abgestimmt werden sollen und die noch mehr Angriffe auf die Arbeiter beinhalten, wie das Gesetz, dass die Auslagerung von Aktivitäten erlaubt, die dem Unternehmen dienen (a terceirização das atividades fim das empresas?), sowie den Sektors des öffentlichen Dienstes betreffen. Weiterhin eine Reform der Vorsorge, die als Mindestalter für die Pensonierung 65 Jahre für alle Männer und Frauen vorsieht, die Strafmündigkeit von 18 auf 16 herabsetzen will, und darüber hinaus weitere soziale und wirtschaftliche Angriffe enthält.

Der brasilianische Automobilsektor

Die wirtschaftliche und politische Krise betrifft unmittelbar alle Bereiche der Wirtschaft und in den letzten Jahren hat sich diese Rezenssion vertieft. Der Automobilsektor ist unter den am meisten betroffenen Bereichen, die Anzahl der produzierten Fahrzeuge gibt einen Einblick in das Ausmaß der Auswirkungen: 2013 umfasste die Anzahl produzierter Fahrzeuge noch 3.712.736, 2014 waren es 3.146.386, 2015 nur noch 2.429.421 und im Jahr 2016 zeichnet die Tendenz eine noch größereAbnahme ab.

VW verkaufte 2013 noch 673.433, 2014 576.665 Autos auf dem brasilianischen Markt, 2015 waren es 359.522 – ohne Einbezug der Exporte mehren sich die Hinweise, dass die Zahlen für 2016 noch schlechter werden als in den vergangenen Jahren.

Angriffe auf die Arbeiter

Angesichts dieser wirtschaftlichen Situation hat die Anzahl der Angriffe auf die Arbeiterklasse stark zugenommen, es wurden Maßnahmen ergriffen um die Gewinne der Unternehmer abzusichern durch die Erhöhung der Überausbeutung der Arbeiter.

VW bedient sich der Mechanismen der Flexibilisierung und Rücknahme von Rechten der Arbeiter. Mittel wie Lay-Off, mit dem man Arbeitsverträge für bis zu 5 Monate aussetzen kann, bei teilweiser Lohnzuzahlung durch die Regierung. Heute werden allein im Betrieb Anchieta 2000 von der Arbeit ferngehalten, und auch im Betrieb Taubaté wird diese Methode angewandt.

Weitere Mittel werden mithilfe des PPE (Programm zur Sicherung der Arbeitsplätze) umgesetzt, wie Arbeitszeitverkürzung bis zu 30 % mit gleichzeitiger Lohnkürzungen bis zu 15 %, die restlichen 15 % werden durch den Staat übernommen. Dieser Vertrag war ein Übereinkommen zwischen der Gewerkschaftsbürokratie, Regierung und der Unternehmensleitung. Dies betrifft vor allem die Betriebe Anchieta und Taubaté.

Die Politik der bürokratischen Gewerkschaften die an die Regierung gebunden sind, also im Wesentlichen die CUT, haben als Hauptziel die Formulierung von betriebsgebundenen Übereinkommen (in Brasilien werden die Verhandlungen historisch bedingt in Gruppen durchgeführt, z.B. nach Sektoren wie Montagewerke, Komponentenwerke, Elektronik, Rohbau). Das Ergebnis dieser Politik waren Verschlechterungen der Rechten und Löhne. VW ist beispielhaft in Bezug auf die Dauer der Abkommen, die im Mittel 5 Jahre umfasst, und zahlreiche weiter Angriffe beinhaltet wie die Nichtberücksichtigung der Inflation, also de facto Reallohnkürzungen, den Anstieg der Zeit um in der Lohngruppen aufzusteigen (vorher waren es 5 Jahre, jetzt sind es 9 Jahre), Zunahme bei dern Kosten für Krankenversicherung, Auslagerung, und weiteres.

Generell geht es im Gegenzug für die ausgehandelten Abkommen und das Verlagern neuer Modelle, die entweder kommen oder gehen sollen, wobei immer die Unsicherheit über das tatsächliche Kommen neuer Modell mitschwingt.

CSP-Conlutas in der Verteidigung der Arbeitsplätze

CSP-Conlutas, die Gewerkschaft die wir aufgebaut haben und deren Mitglieder wir sind, kämpft gegen die Zusammenarbeit der Gewerkschaftsbürokratie mit der Unternehmensführung und ruft systematisch zum Generalstreik auf um die Angriffe abzuwehren und die Arbeiter in die Offensive zu bringen.

Vergangenes Jahr gab es einige Tage des nationalen Stillstands, wobei die Gewerkschaftsbürokratie gezwungen war sich dem anzuschließen, aufgrund des Drucks der Basis die Unzufrieden ist mit der Richtung der Wirtschafspolitik. Dieser Aufruf ging von CSP-Conlutas aus und es existiert nach wie vor Potential, das dies nächstes Jahr wieder eintreten wird, das sich die Situation zunehmend verschlechtert.

Es folgt der Bericht aus Spanien von Diego Reyon Bayo von der CGT

Zur Gewerkschaftlichen Situation in Spanien in der VW-Gruppe

1. Politischer Rahmen

Die Situation, die durch die Wahlergebnisse vom 20. Dezember letzten Jahres erzeugt wurde, hält eine „Instabilität“ seit mehr als vier Monaten aufrecht. Einige Analysten heben hervor, dass wir auch ohne Regierung leben können, es werden mehr Autos verkauft, es wurde kein Gesetz gegen das Volk verabschiedet und das Leben geht weiter.

Wegen der Bündnispolitik der PSOE mit der neuen rechten Politik der Partei „Cuidadanos“ („Bürger“) ist die Möglichkeit, dass eine linke Alternative an die Regierung kommt, unwahrscheinlich. „Cuidadanos ist eine Partei aus Katalonien, die mit dem Ziel geschaffen wurde, die Unabhängigkeit von Spanien zu verhindern, die ein bedeutender Teil der katalonischen Bevölkerung seit vielen Jahren fordert.

Die Möglichkeit, antisoziale Gesetze zu Fall zu bringen, wie die „Arbeitsreform“, das „Knebelgesetz“ der Sicherheit, die Kürzungen im Erziehungs- und Gesundheitswesen und die Folgsamkeit gegenüber der Entscheidungen der Troika, sind geringer, wenn solche Pakte, wie die der PSOE mit den „Cuidadanos“ florieren. Themen wie der Vorruhestand von tausenden Personen wurden durch die aufeinanderfolgenden Regierungen von PP und PSOE in den letzten Jahren verschlechtert und ein wichtiger Teil der Bevölkerung hatte gehofft, dass in diesen Wahlen eine Regierung mit der Beteiligung von „Podemos“ und „Izquierda Unida“ (ehem. Kommunistische Partei) das hätte ändern können.

Am heutigen Tag, 126 Tage nach den Wahlen, gibt es keine Regierung und alles deutet darauf hin, dass die Wahlen am 26. Juni wiederholt werden.

2. Dieselgate-Skandal

Die Verkaufszahlen hatten keine negativen Auswirkungen auf VW, bis zum März diesen Jahres, wo sie um 16,8% gefallen sind, im ganzen Jahr gibt es einen Rückgang von 5,1%. SEAT verzeichnet dieses Jahr einen Rückgang in Spanien von 14,7% in den ersten drei Monaten. Trotzdem sinken die Verkaufszahlen für SEAT in Europa um 8%, aber die gesamte Gruppe VW steigt insgesamt um 1% wegen des Anstiegs von 14% bei der Premiummarke Audi.

Wir haben Informationen, dass sich SEAT mit 92 Millionen Euro an den Kosten beteiligt, die VW wegen des Betrugs mit den Motoren hat. Es ist offensichtlich, dass die Konsequenzen aus Dieselgate wirtschaftlicher Natur sind durch die möglichen Strafzahlungen oder Sanktionen der Regierungen. Denn die Reparaturkosten, wo man ursprünglich angenommen hat, dass der Motor auseinandergebaut und umgebaut werden müsste, belaufen sich jetzt nur auf ein Softwareupdate, und in 10% der Autos muss ein kleiner Filter eingebaut werden, der nicht sehr teuer ist.

In der CGT haben wir ausgewertet, dass der ganze Skandal mehr das Ziel gehabt habt, dass alle Gewerkschaften im Konzern akzeptieren, dass man „zusammenarbeiten“ muss bei der Entlassung der Leiharbeiter, bei der Erhöhung der Produktivität (Verschlechterung unserer Gesundheit und die Vernichtung von Arbeitsplätzen), und einsehen, dass wir für die Verbrechen des Vorstands „bezahlen“ müssen. Vor allem in Deutschland, wo das VW-Gesetz ein Problem für die kapitalistischen Aktionäre ist.

3. VW Navarra

Es wurde gerade ein Vertrag unterschrieben über die mögliche zukünftige Vergabe eines Modells an das Werk von VW in Pamplona. Die offiziellen Gewerkschaften haben eine Erhöhung der Arbeitszeit von mindestens einem Tag mehr im Jahr unterschrieben, niedrigere Einstiegslöhne für Neueinstellungen (doppelte Lohnskala) und Produktivitätssteigerungen, um dieses Modell zu „bekommen“.

Wir von der CGT haben Informationen, dass die Stückzahl für das „Modell“ lediglich 15.000 Einheiten des Typs SUV Urban-Polo sind. Etwas, was im Interesse der Firma entschieden wurde und wo die Gewerkschaften, die sich selbst als „verantwortlich“ bezeichnen, keine Skrupel hatten, zu unterschreiben, trotz unserer Kritik.

Die Fabrik in Pamplona befindet sich auf einen inakzeptablen Niveau bei den Berufskrankheiten durch den hohen Produktionsrhythmus an den Montagelinien. Die Gegenleistung, die sie dafür anscheinend erreicht haben, ist die Verrentung von 1000 Arbeiter/Innen über 60 Jahren.

Während der Laufzeit eines Vertrages erreicht Volkswagen die Verschlechterung der Bedingungen der Belegschaft und damit mehr Gewinne für den Vorstand, als Gegenleistung für eine große Lüge. Wir von der CGT haben nicht unterschrieben. Die LAB und ELA (Baskische nationalistische Gewerkschaften) auch nicht.

4. SEAT Martorell

Wir befinden uns mitten in den Tarifverhandlungen. Ein Tarif, der 15.000 Personen betrifft und der die Tarifverhandlungen in ganz Katalunien beeinflusst. Die Sitzungen werden auf eine Stunde begrenzt, in denen die Firma ihre Absichten erklärt, alle Gewerkschaften sich dagegen aussprechen, aber wo nicht über die Plattformen der Arbeiter/Innen gesprochen wird (die offiziellen Gewerkschaften haben eine gemeinsame Plattform vorgestellt und wir von der CGT haben unsere eigene Plattform präsentiert).

Trotzdem befürchten wir, dass das ein Theater sein wird, was zwischen der Firma und den Gewerkschaften abgesprochen ist, und dass die wahren Verhandlungen in geheimen Treffen stattfinden, abseits vom Verhandlungstisch.

Die Diskussionspunkte sind:

 

  • Flexibilisierung kontra menschlichen Arbeitsrhythmus: die Firma hat uns sogar eine absurde Flexibilität vorgeschlagen, Schichten, die alle zwei Tage wechseln, um sechs Tage die Woche arbeiten zu können, und die offiziellen Gewerkschaften erklären nicht, was sie vorschlagen im Bezug auf die Arbeitszeit. Wir von der CGT haben das Thema die „Arbeitsorganisation-menschliche Rhythmen“ genannt, wie man auch in der Plattform nachlesen kann, die wir der Firma übergeben haben.

 

https://image.slidesharecdn.com/plataformaparaelxixconvenioseathojainformativadefinitiva-160204092422/95/plataforma-cgt-pel-xix-conveni-seat-1-638.jpg?cb=1454577996

In diesem Zusammenhang klagen wir an, dass in den letzten 16 Jahren die Arbeitszeit nicht eine Minute verkürzt wurde und die Mehrheitsgewerkschaften fordern auch keine konkrete Arbeitszeitverkürzung. Wir von der CGT fordern eine Verkürzung auf maximal 200 Tage im Jahr, und so die notwendigen Arbeitsplätze zu schaffen, um die geplante Anzahl an Autos bauen zu können.

Offensichtlich haben uns sowohl die Firma wie auch die offiziellen Gewerkschaften beschuldigt, dass wir SEAT in den Ruin treiben wollen. Aber in Wahrheit ist es so, dass wenn wir nicht solche Alternativen schaffen, steht uns durch das Projekt „Industrie 4.0“ (generelle Robotisierung und Digitalisierung in der gesamten Firma) die Vernichtung einer großen Anzahl von Arbeitsplätzen bevor.

 

  • Lohnerhöhung: Die offiziellen Gewerkschaften wollten keine genaue Lohnforderung nennen, damit die Belegschaft sie hinterher keine Forderungen an sie stellt. Die Kosten für unsere Plattform wurden von der Firma auf 1.6 Mio. Euro in fünf Jahren beziffert. Wir von der CGT fordern den Ausgleich für die Verluste durch die Erpressung mit dem Audi Q3. Und wir stellen Forderungen auf, die von der Belegschaft als wichtig empfunden werden, wie die Lohngruppe „E“ (eine Lohnerhöhung von 80€ nach 12 Monaten Betriebszugehörigkeit) oder auch die Orientierung des Erfolgsbonus an dem Ergebnis der Gruppe VW und nicht nur am Ergebnis von SEAT, wie bisher (SEAT und VW schieben jedes Jahr die Zahlen wie sie wollen hin und her um ein ihnen genehmes wirtschaftliches Ergebnis zu erzielen).

  • Unsere Gesundheit: Obwohl die anderen Gewerkschaften dem Thema auch Bedeutung einräumen mussten, haben nur wir von der CGT in unserer Plattform klar Position bezogen. Und in einem Informationsblatt, siehe weiter unten, erklären wir der gesamten Belegschaft, wie die erhöhten Arbeitsrhythmen viele Berufskrankheiten verursacht haben, sowie Unfälle und Verletzungen bei einem bedeutenden Teil der Belegschaft. Deswegen schlagen wir in unserer Plattform klar und deutlich eine Reihe von Maßnahmen in verschiedenen Bereichen vor, mit dem Ziel, dass die Belegschaft nicht krank wird oder sich verletzt an ihren Arbeitsplätzen.

 

https://image.slidesharecdn.com/160217cgtcatcas-160217113442/95/full-informatiu-cgt-seat-160217-castellano-y-cataln-1-638.jpg?cb=1455709264

Ausgerechnet die Firma hat sich entschlossen, eine Art von Krankenhaus innerhalb von SEAT Martorell zu errichten, als „Gegenmaßnahme“ für so viele Kranke und Verletzte. In dem angehängten Flyer erklären wir der Firma, was wir von der CGT davon halten.

Und die folgende Grafik beweist, dass die Produktivität und die Produktivitätssteigerung, die SEAT seit der Einführung des Tarifvertrags für die Vergabe des Q3 einfordert, die Gesundheit der Belegschaft, vor allem in der Produktion, angreift. Die Anzahl der TME (Störungen des Muskel-Skelettapparates) erhöht sich im gleichen Maße, wie die Erhöhung der Produktions-Ratio Autos/pro Mensch/pro Jahr.

v2

Wie sind sicher, dass die Erfahrungen und die Konflikte, mit denen wir in allen Fabriken zu kämpfen haben, die gleichen sind, und es ist wichtig, dass wir unsere Erfahrungen teilen, um uns besser gegenüber dem Konzern VW verteidigen zu können und solidarisch sein zu können mit den kämpferischen Kollegen/-Innen von anderen Marken und anderen Firmen.

Solidarische, freiheitliche und kämpferische Grüße!

Hier der Brief den die CGT im März 2016 an die Regierung schrieb:

„Allgemeine Arbeitsvereinigung - CGT

Zusammenschluss der Gewerkschaften der Metallindustrie - FESIM

An den Minister für Industrie, Energie und Tourismus

  1. Manuel Soria López (in seiner Funktion)

Allgemeines Register

P° Castellana, 162, 28046 Madrid

Im Hinblick auf die gravierenden Ereignisse, die sich rund um den Betrug bei den Abgaswerten in mehreren Automobilfirmen entwickeln, möchten wir Ihnen einige unserer Überlegungen zuteil werden lassen, die uns notwendiger als je zuvor erscheinen.

  1. Die Autowelt erhält die Motorisierung mit auf Erdöl basierenden Verbrennungsmotoren auf eine unbegreifliche Art und Weise aufrecht. Die Folgen, die sämtliche fossilen Brennstoffe auf den Klimawandel haben, nehmen alarmierende und katastrophale Ausmaße an.

Der Krieg zwischen der industriellen Technologien, die auf Diesel oder Benzin basieren, ist in unserem Verständnis ein absurdes Kunstprodukt, um die Produktions- und Verbrauchsaussichten sowohl von Erdöl als auch von dieser Art von Motoren aufrecht zu erhalten. Die Senkung des Ölpreises, um den Verbrauch dieses Giftes für unseren Planeten auf gleichem Niveau zu halten oder sogar zu vergrößern, ist eine Verirrung und ein Anschlag auf die Bevölkerung, die in ihrem Leben durch die Verschmutzung beeinträchtigt wird; im Fall von NO² werden dadurch hunderte von Toten jedes Jahr verursacht.

Die einzige Lösung angesichts des mehr als wahrscheinlichen Kollapses der Umwelt unseres Planeten ist, dass mutige und engagierte Entschlüsse getroffen werden, durch einen Technikwandel, der den aktuellen Zustand umkehrt und eine gesunde Umwelt wiederherstellt.

Es ist sehr hoffnungsvoll, dass es neueste Meldungen über die sofortige Produktion von Graphenbatterien für Autos auf der ganzen Welt gibt, mit einer Reichweite von 1000 km und einer Ladezeit von 8 min, welche in den Anlagen einer Fabrik in Yecla, in Kooperation mit der Universität von Córdoba produziert werden.

http://www.elmundo.es/economia/2015/11/12/564393fc268e3ea8498b45b6.html

Es ist jedoch sehr paradox und besorgniserregend, dass keine in Spanien beheimatete Autofirma an diesem Projekt mitarbeitet, das sich genau auf dem richtigen Weg im Bezug auf alle vorangegangenen Vorschläge befindet.

Auf der anderen Seite gibt es positive Neuigkeiten im Bezug auf die Alternative, die wir dem Industrieministerium schon in 2007 präsentiert haben: Die Wasserstoffzelle als wirklich umweltfreundliches Antriebsmittel, mit Null-Emissionen.

http://forococheselectricos.com/2015/09/tecnologia-pionera-de-siemens-para-producir-hidrogeno-con-energia-renovable-sobrante-silyzer-200.html

Deswegen schlagen wir Ihnen erneut vor, dass Sie sich für die alternativen Antriebe zum Erdöl stark machen und entschieden und unmittelbar dafür eintreten, in den Autos, die wir produzieren. Lasst uns damit aufhören, unzureichende (und noch dazu betrügerische) Maßnahmen auf dem ökologischen Gebiet zu treffen, damit wir so schnell wie möglich das Ziel vollständig sauberer Motoren für den Planeten erreichen.

  1. Die FESIM-CGT ist sich bewusst, dass die technologische Umstellung auf Motoren mit Null-Emissionen Auswirkungen auf die Arbeitsmethoden und auf die Beschäftigung haben können. Auch ist es offensichtlich, dass die neuen Technologien und speziell der Einsatz von Robotern den Bedarf an menschlicher Arbeitskraft verringert.

Aus diesem Grund schlagen wir von der CGT vor, dass die Tarifverhandlungen eine immer stärkere Reduzierung der Arbeitszeit beinhalten, bis hin zu 30 Stunden in der Woche, aufs Jahr gerechnet. Die wirklichen Nutznießer der Verbesserungen der Umwelt sind wir, die Bürger und Bürgerinnen, so wie die Arbeiter und Arbeiterinnen, die ein Leben und einen Arbeitsplatz verdienen, der uns ein würdiges Leben erlaubt.

  1. Die betrügerischen Machenschaften, die vermutlich von Firmengruppen wie VW und Renault verübt wurden, um die realen Verschmutzungswerte zu kaschieren und dadurch Subventionen zu bekommen und Vorteile zu erheischen, und damit ihre Gewinne zu steigern, ist der anschauliche Beweis der großen Scheinheiligkeit, die die gegenwärtige Industriewelt und das kapitalistische System beherrscht. Augenscheinlich ist für die CGT auch das mitschuldige und willfährige Handeln der Regierungen und wirtschaftlichen Institutionen, es ist nur ein weiterer Beweis für die allgemeine Scheinheiligkeit.

Mit dem Entschluss und der Ausführung des Betrugs gegen den Konsum und gegen die Umwelt, diesem offensichtlich verbrecherischen Handeln, wurden nicht nur die wirtschaftlichen Interessen von Millionen von Verbrauchern geschädigt, sondern es wurde auch die Sicherheit von hunderttausenden Arbeitsplätzen aufs Spiel gesetzt.

Die Verantwortung für die Kontrolle, Überwachung und Überprüfung der wirklichen Zustände der betroffenen Autos hängt direkt von dem Ministerium ab, das Sie leiten. Es ist offensichtlich, dass die Kontrollmechanismen versagt haben, Sie sollten die Verantwortung hierfür übernehmen und eine gründliche Untersuchung einleiten, um die rechtlichen Verantwortungen der Personen aufzuklären, die Fehler begangen haben oder noch schlimmer, ihre Pflichten vernachlässigt oder verletzt haben.

Im Bezug auf die beschuldigten Firmen versteht es sich, dass die Regierung und ihr Ministerium die ganze Schwere des Gesetzes in aller Konsequenz anwenden müssen, um deutlich zu machen, dass hier wissentlicher und vorsätzlicher Betrug begangen wurde. Die Subventionen, die aus den Taschen der Steuerzahler finanziert werden und eigentlich dem Umweltschutz hätten dienen sollen, müssen an die Kasse „von Allen“ zurückgegeben werden, angesichts eines so peinlichen Falls, der das größte Problem, was heute die Menschheit hat, angreift: Den Erhalt des Planeten für die nachkommenden Generationen.

Darum fordern wir von der CGT/Metall das Industrieministerium zu folgenden Aktionen auf:

 

  • Die Forderung an alle an die ANFAC angegliederten Unternehmen, damit so schnell wie möglich die Produktion von 100% der Fahrzeuge mit Motoren mit Null-Emissionen erreicht wird.

  • Dass in keinem Fall die Belegschaften der betroffenen Firmen die Lasten für die vorsätzlichen betrügerischen Machenschaften der Führungskräfte tragen müssen.

  • Dass die Auswirkungen der neuen Technologien im Bezug auf den verringerten Bedarf an Arbeitskräften durch die Reduzierung der Wochenarbeitszeit ausgeglichen werden, in der Höhe, dass die Beschäftigtenzahl erhalten bleibt oder erhöht wird, auf Basis einer erhöhten Produktion oder Produktivität.

 

Madrid, 27. Januar 2016

Nun zu den Berichten aus Deutschland:

Der Trägerkreis bei Audi - Neckarsulm in Deutschland berichtet im März:

Viele Grüße aus dem Süden Deutschlands! 2016 war bei uns, mit über 16.000 Kollegen der Höchststand an Beschäftigung erreicht.

In der Auseinandersetzung um die VW-Krise und den Betrugsskandal hat sich in den letzten Wochen die Diskussion belebt. Hintergrund sind die weiteren Anklagen in den USA, dass Software nach dem Auffliegen der Sachen noch weiter manipuliert wurde und das gelogen wurde. Die Frage der Bestrafung steht! Aber viele unterschätzt noch die Verbindung zur Politik und den Behörden. Diese hat sich VW und die anderen Automonopolen untergeordnet.

Überrascht waren viele von der Ankündigung, dass es 5420 € Prämie gibt. Das haben viele nicht erwartet. So war die Stimmung erst mal eher aufgeheitert und die „VW“-Probleme wurden klein geredet oder auf die Zukunft vertagt.

Aktuell sind die Stückzahlen rückläufig, aber das ist sehr unterschiedlich, je nach Modell und Markt. Die Kollegen spüren das vor allem in einer gesteigerten Flexibilität. Der Betriebsrat sagt: Wenn die Freischichten nicht genommen werden (Freizeit auf eigene Kosten), dann müssen die Leiharbeiter gehen.

Es gibt Schichtkürzungen und Ausfalltage in der Produktion. In wenigen Wochen steht eine weitere Kürzung der Nachtschicht an, die die Arbeitsplätze von hunderter Leiharbeitern bedroht. Gleichzeitig werden aber Samstagschichten gefahren und weitere sind geplant.

Im betrieblichen Alltag spürt man, dass die Anspannung nachgelassen hat, weil die Anlagen nicht mehr voll gefahren werden und der Druck etwas herausgenommen ist.

Immer wieder kommt in Gesprächen mit Kollegen die Frage hoch, wann die Krise kommt. Ältere Kollegen meinen, dass das sehr schnell gehen kann. Viele denken, dass erst die Leiharbeiter gehen müssen, bevor es sie selber trifft. Noch herrscht scheinbar Ruhe im Betrieb. Betriebsrat und die Führung der örtlichen Gewerkschaft tragen die Maßnahmen der Unternehmensführung mit. Unter den Kollegen nehmen aber die Fragen zu, wie soll es weiter gehen. Es gab eine nie da gewesene Breite bei den Wahlen zu den Vertrauensleuten der IGM. Teilweise wurden bis 50 % neue Kollegen gewählt..

In der Nachbarstadt Heilbronn gibt es eine Trägergruppe des IAC. Wir wollen alles dafür tun, diese zu verbreitern! Von der nationalen Koordinierung und den Sprechern erwarten wir durch die Infobriefe Anregungen für unsere weitere Arbeit des Trägerkreises.

Weiter mit unseren Freunden von VW-Hannover:

In Hannover arbeiten ca. 14.000 Leute. Hannover ist der Markensitz von VW Nutzfahrzeuge. Dazu gehört das Werk in Argentinien und zwei Werke in Polen (Poznan und Wresznia). In Hannover werden jährlich ca: 150.000 T6 produziert. Ebenso der Porsche Panamera mit 6000-7000 Rohkarossen. Das wird ab September nach Leipzig verlagert. Außerdem wird der Amarok mit ca. 17000 Stück gebaut. Derzeit arbeiten noch ca. 800 Leiharbeiter in Hannover.

Zur VW Krise sagt der Vorstandsvorsitzende VW Nutzfahrzeuge, Scholz, er wisse auch nicht mehr als in den Zeitungen steht, aber der Vorstand hat die massive Senkung der Produktionskosten gefordert.

Unter den Kollegen festigt sich der Standpunkt, dass die Belegschaft die VW-Krise nicht verursacht hat, sondern der Vorstand mit seiner Unternehmenspolitik, auf Teufel komm raus Nummer 1 der Autokonzerne zu werden. Und deshalb sollen die Vorstände und Aktionären auch dafür bezahlen, nicht wir Arbeiter. Auf der Betriebsversammlung, am 15. März erhielt ein Redebeitrag mit dieser Forderung tosenden Beifall der ganzen Belegschaft.

Die Werksleitung Hannover versucht, die Tragweite der VW-Krise herabzuspielen, die gravierenden Einschnitte des „Sparprogramms“ für uns Arbeiter und Angestellte zu vertuschen und uns für die gemeinsame Bewältigung der Krise zu gewinnen. Vorstandsvorsitzender Scholz behauptete „Wir können alle nichts dafür und müssen jetzt gemeinsam die Folgen für unser Werk abmildern“. Bei einigen Kollegen greift die Ideologie der „VW- Familie“ noch.

375 Leiharbeiter wurden Ende Januar bereits entlassen. Im Dezember haben sich 30 Metaller vor dem Tor versammelt und sich gegen die Entlassung der Leiharbeiter ausgesprochen. In einer Vertrauensleute-Versammlung wurde dieser Vorschlag durch den IGM-Ortsvorstand noch abgelehnt. Ca. 800 Leiharbeiter erhalten jetzt eine Vertragsverlängerung bis Ende September. Eben ist die Auftragslage beim T6 sehr gut, weshalb VW noch auf die Leiharbeiter angewiesen ist. Im September, wird die Produktion der Porsche Panamera Karossen nach Leipzig verlagert. Dafür gibt es keine Ersatzarbeitsplätze. Entlassungen werden ab September wahrscheinlicher. Bis dahin wurden die Verträge vieler Leiharbeiter verlängert um uns zu beruhigen. Viele Kollegen sind aber gegen die Entlassung von Leiharbeitern und gegen die Abwälzung der Krisenlasten auf unsere Kosten. Wir brauchen aber jeden Arbeitsplatz. Der BR lenkt davon ab und meint, wir dürften nicht den Vorstand in Hannover angreifen, weil er ja die Leiharbeiter verlängert hat.

Mit der Verschärfung des „Sparprogramms“ wird jetzt die Komponentenfertigung in Frage gestellt. In Hannover gibt es eine Gießerei und die Fertigung von Wärmetauschern. Das bedeutet den Abbau von 300 der bisher 600 Arbeitsplätze in der Gießerei und weiter 250 in der Fertigung von Wasserkühlern. In unserem Partnerwerk Pacheco in Argentinien werden derzeit sogar 1000 Festangestellte Kollegen entlassen, weil die Amarok-Produktion reduziert wird.

In den Abteilungen wird der Druck erhöht. Der Personalvorstand Edig griff auf der Betriebsversammlung die Kollegen an, sie würden mit dem angeblich hohen Krankheitsstand dem Unternehmen schaden. Immer mehr Kollegen haben auch Angst, Fehler zu machen, seitdem Qualitätskontrollen an den Linien eingespart werden. Stattdessen wird man schneller zu Belehrungsgesprächen gerufen.

Die VW-Krise hat zur Wirkung, dass VW legal Steuern hinterziehen darf. Die Bildung von Rückstellungen vermindert das Ergebnis und senkt die Gewerbeteuer an die Städte, wo es eine VW Fabrik gibt. So müssen diese Städte Kürzungen ihrer Haushalte vornehmen.

Unsere Kollegen aus Braunschweig waren sehr gründlich und haben nicht an Text gespart:

Der VW-Werk Braunschweig ist ein Komponentenwerk. Es produziert hauptsächlich Achsen und Lenkungen. Darüber hinaus gibt es eine Kunststoffteilefertigung. Außerdem wird eine Batteriefertigung aufgebaut. Das Fertigungsvolumen betrug 2015 7,4Mio.Teile, 2016 soll es auf 7Mio.Teile zurückgehen. Die Komponenten aus Braunschweig werden neben VW überwiegend an AUDI, Skoda, SEAT und PORSCHE geliefert. Im Fahrwerkbau nimmt das Werk Braunschweig für VW eine Schlüsselrolle ein.

Das Werk Braunschweig hat derzeit etwa 8700 Mitarbeiter. Ende Februar wurden ca. 50 der 450 Kollegen der Firma „AUTOVISION Zeitarbeit“ entlassen. Die meisten Verträge laufen Ende Juni 2015 aus. Weitere 1040 Kollegen arbeiten in sogenannten „Projekten“ der Firma AUTOVISION. Diese haben unbefristete Arbeitsverträge, arbeiten aber zu Konditionen von etwa 50% des Haustarifvertrags 1.

VW geht dazu über, die Belegschaft direkt anzugreifen. Im indirekten Bereich sollen 10%, im direkten Bereich 5,5% der Kosten eingespart werden. Gleichzeitig soll die Produktivität um 10% gesteigert werden. In Wolfsburg sollen 3000 Stellen in der Verwaltung abgebaut werden. In Braunschweig finden in den letzten Wochen verstärkt Taschen- und Spindkontrollen statt, der Werksschutz ist häufiger in den Hallen präsent. Gleichzeitig ergreift VW auch Dämpfungsmaßnahmen, um die Widersprüche in der Belegschaft unter Kontrolle zu behalten. Das ist Ausdruck ihrer Defensive durch die VW-Krise.

So werden vereinzelt Zeitarbeiter entlassen, während zeitgleich in anderen Werken Verträge verlängert werden. VW traut sich nicht, alle Werke gleichzeitig anzugreifen. Mit der Lohnzahlung im Mai gewährt VW jetzt eine „Anerkennungsprämie“, statt der tarifvertraglichen Bonuszahlung.

In der Belegschaft findet eine intensive Auseinandersetzung statt. Die Standpunkte, die sich bei der Mehrheit der Kollegen herausgebildet haben sind:

 

  • Die Kollegen fühlen sich nicht verantwortlich für diese Krise – es sind kriminelle Machenschaften des Vorstands. Vereinzelt ziehen die Kollegen auch weitergehende Verbindungen zur Landes- und Bundesregierung und zur Gewerkschaftsführung. Das Märchen der „VW-Familie“ verliert an Wirkung. „Wenn`s ans Bezahlen geht, sind wir plötzlich eine Familie...“

  • Es herrscht eine große Empörung über die Verbrechen des Vorstands, wofür jetzt die Belegschaft und die Kommunen aufkommen sollen. Dagegen steht die Forderung, dass die Vorstände und Großaktionäre die Kosten der Krise zahlen sollen.

  • Die Solidarität mit den Leiharbeitern in der Belegschaft ist sehr groß. Die Forderung nach der vollständigen Übernahme in den Haustarifvertrag wird auf jeder Betriebsversammlung gestellt. Gleichzeitig wird eine Verkürzung der Arbeitszeit gefordert.

  • Die Aufdeckung der Schädlichkeit des Diesels für Mensch und Natur sorgt dafür, dass das Umweltbewusstsein der Belegschaft wächst. Das Automobil, als Lösung für das Mobilitätsproblem der Menschheit, wird zunehmend als ungeeignet erkannt. Das ist aber noch keine Mehrheitsmeinung.

 

Ungeklärt ist in der Belegschaft, wie man diese Forderungen umsetzen soll. Das Bewusstsein dafür wächst, dass ein Kampf notwendig ist. Der Betriebsrat propagiert, „Wir sind zu schwach, um eine Arbeitszeitverkürzung durchzusetzen...“. Das ist auch die Rechtfertigung, dass neue Ausbeutungsprogramm „SPEED“ mitzugestalten. Für die Kollegen bedeutet das spontan, dass sie auf die Gewerkschaft nicht zählen können. Gleichzeitig erwarten sie aber von der IGM, dass sie den Kampf organisiert. Auch im Gewerkschaftsapparat selber wachsen die Widersprüche, diese dringen aber kaum nach draußen.

Aus dem VW Werk Kassel wird berichtet:

Bei uns arbeiten ca. 15000 Mitarbeiter am Standort und weitere 1000 Leiharbeitskollegen.
Es gibt das „Original Teile Center“ im Werk Kassel, da wir geographisch in der Mitte Deutschlands logistisch gut erreichbar sind.


Bei uns werden die Getriebe-Komponenten alle Konzernmarken gebaut. So das DL382 für Audi und den E-Antrieb. Nur in Kassel gibt es eine Magnesiumfertigung.


Die Forderung nach Festeinstellung aller Leiharbeitskollegen wurde durch die Initiative der Kollegen stärker in den Mittelpunkt gerückt. Leider rücken einige Betriebsräte und Gewerkschaftsführer von dieser Forderung wieder ab und sprechen davon nur noch "möglichst viele", statt „Alle“ übernehmen zu wollen.
Im Dezember 2015 waren wir auf der Betriebsversammlung mit 80 Vertrauensleuten auf der Bühne und trugen 70 Schilder gegen die „VW-Familie“ und dafür, dass die Lasten der Krise nicht auf die Kollegen abgewälzt werden.

(Bild er Protestaktion einfügen) Im April 2016 betonte der Betriebsrat, dass wir froh sein sollen, das die Leiharbeiter bis Sommer verlängert wurden und das hier noch alles in bester Ordnung sei. Schließlich schaue die Öffentlichkeit auf VW.


Nun führt der Betriebsrat eine schriftliche Umfrage durch. Eine Frage lautet, welchen Beitrag jeder zu leisten bereit ist, um die Leiharbeiter zu halten (weniger Mehrarbeit, Überstunden abbauen etc.) Die Frage muss er nicht an uns, sondern an die Aktionäre stellen. Mit dieser Verzichtslogik wird die Verantwortung auf Arbeiter abgewälzt und nachher kann behauptet werden, das wir ja nichts für die Leiharbeiter geben wollten.


In einigen Bereichen soll Dauernachtschicht eingeführt werden um Kosten zu sparen.
Die Arbeiter die kurz davor stehen, das Recht auf einem Facharbeiter- Lohn zu erhalten, werden aus den Fachabteilungen gemobbt. Die Jagd auf Langzeitkranke wird forciert und in das neue „Effizienz Programm SPEED“ ist mit aufgenommen worden, den Krankenstand zu verringern.
Im indirekten (nicht produktiven) Bereich sollen mindestens 80 Stellen eingespart werden.
Ein Teil der Getriebefertigung soll nach Cordoba in Argentinien abgegeben werden, „um Kosten zu sparen“. Der Betriebsrat behauptet, das geschähe, um dort Arbeitsplätze zu sichern.

Unsere Freunde von MAN aus Nürnberg schreiben uns am 4.4.2016:

In unserer Trägergruppe sind Kolleginnen und Kollegen aus dem MAN – Motorenwerk in Nürnberg, aber auch von Daimler und andere Leute, die die Idee der internationalen Zusammenarbeit der Automobilarbeiter für wichtig halten und sich deshalb dafür engagieren. Unsere Mitglieder sind vor allem in der IG Metall, aber auch in ver.di und der IG BCE.

Zum Kampf der Bremer Daimler – Kollegen gegen die Massenabmahnungen und Entlassungen haben wir bereits 86 € Spenden gesammelt.

In Nürnberg sind viele Arbeitsplätze in der Fahrzeug- und Maschinenbauindustrie vernichtet worden. Heute ist Siemens der Konzern mit den meisten Beschäftigten in der Region. Für die Autoindustrie stehen MAN mit dem Motorenwerk, Bosch mit zwei Werken, ZF und noch etliche weitere kleine Zulieferbetriebe.

Wir konzentrieren uns auf das MAN – Motorenwerk. Dieses hatte in der Glanzzeit, über 10000 Beschäftigte, heute noch etwa 4150 Beschäftigte. Viele Leiharbeiter sind bereits entlassen worden.

Bis 2014 hatten Betriebsrat (BR) und Vertrauenskörper (VK) konsequent die Genehmigung für die Beschäftigung von Leiharbeiter abgelehnt. Nach dem Kauf durch VW wollte man uns in das spezielle VW – Modell der „ Mitbestimmung“ integrieren.

Dazu wurde eine Hetzjagd auf linke Kräfte entfaltet und die Zusammensetzung der Betriebsrats und IGM-Vertrauensleute Gremien zu Gunsten der VW-Mitbestimmung „verändert“ um deren Politik der ausgefeilten Sozialpartnerschaftspolitik des BR und der IG Metall – Ortsverwaltung mit dem Konzern unterzuordnen. Und dann wurde auch der Einstellung der Leiharbeiter zugestimmt. Die gegenwärtige VK – Leitung ist von der IG Metall – Ortsverwaltung eingesetzt worden. Es wurden keine Wahlen durchgeführt, sondern die Vertrauensleute wurde ernannt. Soweit geht also schon die Kungelei mit der Konzernleitung!

Wir wollen die Ziele und das Programm der IAC weiter zu verankern und weitere Mitstreiter gewinnen. Dazu machen wir in Kürze ein Grillfest. Kämpfen und Feiern gehören zusammen!