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Internationaler Informationsbrief GM-PSA Nr. 1 – April 2013

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Von den Repräsentanten der internationalen Konzernzusammenarbeit GM / PSA

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Freunde,

in den vergangenen Monaten haben sich die Verbindungen an der Basis zwischen den Belegschaften innerhalb der Allianz von GM und PSA in Anzahl und Intensität sprunghaft verstärkt. Angefangen mit dem Konzernforum beim 7. IAAR im Mai in München gab es mehrere Aktionstage im Konzern und eine Vielzahl von Solidaritätsaktionen. Wir haben uns gegenseitig besucht, in Bochum, Aulnay, Straßburg und Paris, wir hatten ein gemeinsames Treffen in Paris und Telefonkonferenzen.

Die Vielzahl von Verbindungen und die Fülle der Informationen machen es zunehmend schwierig, dass jede einzelne Meldung alle interessierten Kollegen erreicht. Deshalb sollen regelmäßige Informationsbriefe als eine neue Methode der Information erprobt werden. Die öffentlichen Repräsentanten der internationalen Konzernzusammenarbeit bitten weiterhin um Informationen aus allen Ländern und Werken, die sie dann etwa alle zwei Monate zusammenfassen und an alle interessierten Kolleginnen und Kollegen schicken. Hiermit legen wir die erste Ausgabe vor, die auf Informationen aus Brasilien, Frankreich, Spanien, USA, Kolumbien, Polen, Südkorea und Deutschland basiert.

1. Der Streik bei PSA in Aulnay-sous-Bois in Frankreich dauert jetzt schon über drei Monate an. Die Streikfront von 200 Arbeitern ist ungebrochen und die übrige Belegschaft ist solidarisch mit den Streikenden. Auch die Drohung mit Kündigung von vier Streikenden hat den Entschlossenheit noch gesteigert, den Kampf weiter zu führen. Kein funktionierendes Auto verlässt das Werk. Fast täglich gibt es Aktionen in der Region und in ganz Frankreich, um die Solidarität zu verstärken. Zur Unterstützung der Streikenden und ihrer Familien wurden bereits mehrere hunderttausend Euro Spenden gesammelt. Weiterhin sind Solidaritätserklärungen, Besuche von Delegationen und natürlich Geldspenden sehr willkommen. Im Internet-Blog www.ouvalacgt.over-blog.com heißt es zu dem Kampf: „Drei Monate Streik, ein Beispiel für alle Arbeiter im Kampf zur Verteidigung ihrer Arbeitsplätze und darüber hinaus für ihre wirkliche Befreiung!“ Informationen zum Streik findet man auch auf der Homepage der Gewerkschaft CGT: www.cgt-psa-aulnay.fr

2. Die Belegschaft von Opel Bochum hat gegen die angekündigte Schließung des Werkes direkt mit einem Streik am 11. Dezember 2012 sowie bei Informationsveranstaltungen und Betriebsversammlungen von bis zu 11 Stunden Dauer protestiert. Sie hat Ende März mit einer großen Mehrheit von 76,1 Prozent einen Erpressungsvertrag abgelehnt, der zwischen der Führung der IG Metall und dem Opel-Vorstand ausgehandelt worden war. Dieser Vertrag war eine Kapitulationserklärung, weil er die Schließung des Werkes Bochum akzeptiert. Die Arbeiter sollten für die Beerdigung ihrer Arbeitsplätze auch noch mit Lohnverzicht bezahlen. Die Belegschaft von Opel Bochum hat mit ihrer Ablehnung dieses Erpresservertrags Stolz und Würde gezeigt. In der Arbeiterklasse in Deutschland herrscht Hochachtung und Solidarität für die Bochumer Kollegen. Die Belegschaft von Opel Bochum hat mehrfach bewiesen, dass sie kämpfen kann und sie ist ein Vorbild für viele andere Belegschaften, auch international. General Motors will diese Belegschaft los werden und ein Exempel statuieren.

Nach der Abstimmung hat der Vorstand von Opel weitere Verhandlungen abgelehnt. Sie haben eiskalt erklärt, dass die Schließung des Werken noch zwei Jahre früher kommen soll, nämlich Ende 2014. Das wurde am 17. April auch offiziell vom Aufsichtsrat beschlossen. In der Belegschaft von Opel Bochum wird jetzt intensiv über Streik diskutiert. Das ist der konsequente nächste Schritt im Kampf gegen die Schließung. Ein gemeinsamer Kampf im ganzen Konzern ist nötig! Das letzte Wort in Sachen Schließung von Bochum ist noch lange nicht gesprochen! Darauf müssen wir uns alle einstellen!

3. In Sao José dos Campos in Brasilien hat die Belegschaft von GM nach dem Streik und dem internationalen Aktionstag im Januar einen Teilerfolg errungen. Statt 750 Entlassungen sind im März 589 Arbeiter entlassen worden, 150 von ihnen sollen wieder eingestellt werden. Die Gewerkschaft kämpft für weitere 150 Einstellungen. GM hat zugesagt, 249 Millionen zu investieren und die stillgelegte Produktionslinie wieder in Gang zu setzen. Der Kampf geht weiter, auch mit einem Marsch auf die Hauptstadt Brasilia am 24. April.

4. Auch der Kampf der Kollegen von GM Colmotores in Bogota (Kolumbien) hat Erfolge erreicht. Zum einen muss GM endlich 6 Millionen Dollar in die Verbesserung der Arbeitsbedingungen investieren nach den Protesten der Vereinigung ASOTRECOL gegen die Entlassung von verletzten Arbeitern. Zum anderen ist im Verlauf des Kampfes eine neue Gewerkschaft im Betrieb aufgebaut worden (SINTRAGMCOL), die zusammen mit der bestehenden, aber durch Entlassungen geschwächten Gewerkschaft SINTRAIME den Kampf im Betrieb organisiert.

5. Nach den erfolgreichen internationalen Aktionstagen bei GM und PSA am 28. Juni 2012 und am 23. Januar 2013 bereiten wir den 1. Mai als nächsten internationalen Aktionstag vor. Das wurde bei einem Treffen im November in Brasilien vereinbart, wo auch ein gemeinsames Manifest beschlossen wurde. Für den 1. Mai wird ein gemeinsames Plakat vorbereitet, das wieder, wie bei dem Aktionstag in Januar, in mehreren Sprachen erscheinen wird (Englisch, Spanisch, Portugiesisch, Deutsch, Französisch und Italienisch). Kollegen von Ferrari, Ford und Chrysler haben sich dem Aktionstag angeschlossen. In Europa ist der gemeinsame Kampf über Ländergrenzen besonders herausgefordert vor dem Hintergrund eines Absatzeinbruchs in der Autoindustrie als Wirkung der seit 2008 andauernden Weltwirtschafts- und Finanzkrise. Alle Beteiligten sind aufgerufen, für den 1. Mai öffentliche Aktionen im Sinne unseres gemeinsamen Kampfes zu organisieren. Stärken wir unsere Zusammenarbeit für den gemeinsamen Kampf!

6. Es ist entscheidend, dass die Belegschaften gemeinsam mit der Spaltung und Erpressung fertig werden, die darauf zielt, die Belegschaften gegeneinander in einen Wettlauf um niedrige Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen zu treiben mit der Illusion, damit Arbeitsplätze erhalten zu können. Diese Logik wird von immer mehr Belegschaften abgelehnt. Die Belegschaften müssen aber auch wissen wofür, mit wem und wie sie kämpfen können. Die Überzeugungsarbeit und die Sammlung von Kräften für den gemeinsamen internationalen Kampf ist auch das Anliegen des „Zukunftsprogramms für den Kampf um jeden Arbeitsplatz“, für das seit Ende Mai 2012 in Deutschland Unterschriften gesammelt werden. Es gibt bereits über 1500 Unterzeichner und über 300 öffentliche Erstunterzeichner. Inzwischen liegen auch Übersetzungen in verschiedene Sprachen vor. Dieses Programm kann weltweit genutzt werden um Kräfte für den konzernweiten gemeinsamen Kampf zu sammeln. Wir erlauben uns, das Programm als Anlage mit zu schicken mit der Bitte um Gewinnung von internationalen Erstunterzeichnern.

Rückmeldungen und Informationen werden erbeten an
Frank Hammer (USA)
Mancha (Brasilien)
Fritz Hofmann (Deutschland)