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Hannoveraner Frauenerklärung - Solidarität mit den mutigen Leiharbeiterinnen von VW

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Hannoveraner Frauenerklärung:

Moderne Sklaverei? Nach drei Jahren entlassen und abgeschoben!

Sofortige Übernahme der 4 Kolleginnen aus den SB-Shops!

Gegen die Spaltung der Arbeiter in „Stamm-“ und Leiharbeiter!

2014 haben wir vier Frauen bei VW in der Service Factory angefangen zu arbeiten. Damals wurde die Nachtschicht wieder eingeführt. Mit uns haben in der Produktion 800 weitere Leiharbeiter*innen angefangen. Wie alle anderen haben wir uns für ein großes Unternehmen beworben um irgendwann einen Festvertrag zu bekommen und dann endlich keine Zukunftsängste mehr zu haben. 3 Jahre haben wir uns in der Nachtschicht um die Versorgung der KollegInnen gekümmert. Wie viele Leiharbeiter haben wir jede Überstunde gemacht, sind krank zur Arbeit gegangen und haben unseren Urlaub verschoben – immer so wie es VW gepasst hat. Das alles ist für Leiharbeiter völlig normal, immer mit der Hoffnung auf einen Festvertrag.

Wie alle anderen haben wir uns gefreut, als auf Betriebsversammlung und CC-Versammlung bekannt gegeben wurde, dass alle Leiharbeiter einen befristeten VW Vertrag für 2 Jahre bekommen, die 2014 und 2015 angefangen haben. Wir sind davon ausgegangen, dass das auch für uns zählt. Das haben uns auch Betriebsräte gesagt. Im Juni erfuhren wir dann, dass wir nicht übernommen werden sollen. Mittlerweile haben knapp 400 2014er Kollegen die Verlängerungen erhalten, aber wir sind seit dem 11. August arbeitslos. Begründung: wir laufen über eine Kostenstelle in Wolfsburg. Andere Leiharbeiter wechseln von Wolfsburg nach Hannover, aus der Komponente in den Fahrzeugbau usw. Aber für uns bedeutet eine Wolfsburger Kostenstelle, dass wir nicht übernommen werden? Unser Einsatzort war 36 Monate Hannover, deshalb ist es unser gutes Recht behandelt zu werden, wie alle anderen Kollegen in unserem Werk. Außerdem haben wir angeboten, in jedem anderen Bereich im Werk zu arbeiten. Und jeder von euch weiß, dass Personal fehlt!

Angeblich soll für uns aber keine Arbeit da sein. Unsere Stellen waren zwischenzeitlich sogar zum 1. August neu ausgeschrieben, nur dass die neuen Kolleginnen halbtags arbeiten sollten. Die Ausschreibung wurde durch den Betriebsrat gestoppt. In den Wirtschaftsbetrieben sollen Kosten eingespart und deswegen Personal abgebaut werden, so wie es im Zukunftspakt festgelegt ist. Arbeiten die früher zu zweit gemacht wurden, werden jetzt nur noch von einem gemacht. Die Kollegen in den SB-Shops haben immer viele Überstunden gemacht. Alle wissen, dass ohne uns die Versorgung von Euch Kollegen nur „funktioniert“, weil unsere Arbeit anderen Kollegen oben drauf gepackt wird. Warum wird eigentlich immer an uns „kleinen Leuten“ gespart, aber nicht in den oberen Etagen? Warum werden Verantwortliche für Milliardenstrafen wegen des Abgasbetrugs mit Rentenzahlungen belohnt, aber immer mehr Leiharbeiter entlassen, um „Kosten“ zu sparen?

Der Plan von VW, uns wie gebrauchte Waschmaschinen loszuwerden, ist nicht aufgegangen. Die haben sich wohl gedacht, mit uns können sie es machen, weil wir nur 4 „kleine Frauen“ sind. Unterstützt durch kämpferische Kollegen und Vertrauensleute haben wir uns an die IG Metall, Betriebsrat Osterloh, die Presse und euch alle gewendet. 1233 von euch haben mit ihrer Unterschrift gegen unsere Entlassung protestiert und sich hinter uns gestellt. Vielen Dank dafür, auch für die vielen mitfühlenden Worte, Grüße und Blumen. Solidarität bekamen wir auch vom Frauenverband Courage und der Direktkandidatin der Internationalistischen Liste/MLPD. Aber der Personalvorstand von VW Nutzfahrzeuge, Herr Professor Edig, hat nicht mal 2 Minuten Zeit, eure Unterschriften entgegen zu nehmen. Wir wurden nicht mal zu ihm vorgelassen, sondern im Treppenhaus abgefertigt. Wir sind doch keine Arbeiterinnen 2. Klasse! Auch wir haben Rechte. Herr Edig ignoriert auch die Meinung von mindestens 1233 Kollegen.

Es war und ist unser Recht, dass wir uns wehren und die Entlassung nicht einfach hinnehmen. Es geht um unsere Existenz, aber auch um das Schicksal vieler Leiharbeiter. Unser Kampf geht weiter. Die IG Metall unterstützt unsere Klage mit Rechtsschutz. Wir wollen auch jedem anderen Leiharbeiter Mut machen, sich zu wehren und sich zusammen zu schließen. Und wir bitten Euch: macht unsere Geschichte weiter bekannt und setzt euch für unsere Übernahme bei VW ein. Jede Unterstützung für uns ist auch ein Schritt, die Spaltung in unterschiedliche Verträge und Tochterunternehmen zu überwinden!

Für alle Unterstützer:

Meggie Florjan

Wiebke Koepsell (Vertrauensfrau Wärmetauscher VWN Hannover, VW-Komitee „Für die Zukunft der Jugend, gegen Profiteure und Umweltverbrecher in der VW-Krise!“)

Anke Nierstenhöfer (Direktkandidatin Hannover-Nord der Internationalistischen Liste/MLPD)

Unterschriftenliste im PDF Format