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Von den Repräsentanten der internationalen Konzernzusammenarbeit GM / PSA NR. 11

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Internationaler Informationsbrief GM-PSA

Nr. 11 – Juni 2017

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Freundinnen und Freunde!

gm17 aNihil Mehta (rechts) mit Kollegen aus Kolumbien und USA bei der Internationalen Automobilarbeiterkonferenz

Unser Kollege Nihil Mehta, Generalsekretär der Gewerkschaft Gujarat Kamdar Mandal im GM-Werk Halol in Indien, ist am 9. November 2016 gestorben! Das ist ein großer Verlust für die internationale Arbeiterbewegung. Wir alle, die wir ihn bei der 1. Internationalen Automobilarbeiterkonferenz kennen gelernt haben, trauern mit seiner Familie und mit seinen Kollegen in Indien. Wir werden Nihil in Erinnerung behalten und in seinem Sinne weiter für eine bessere Zukunft kämpfen. Die internationale Koordinierungsgruppe der Automobilarbeiterkoordinierung hat ein Beileidsschreiben an den Sohn von Nihil Mehta geschickt.

Wir möchten uns dafür entschuldigen, dass so lange kein aktueller Infobrief mehr kam. Spätestens seit Ende September 2016, als Mary Barra die Überprüfung der Konzernstrategie von GM ankündigte, hätten wir sofort den Informations- und Meinungsaustausch intensivieren müssen. Mit dem Verkauf von Opel an PSA sind die Konzernbelegschaften erneut herausgefordert, zusammen zu wachsen. Dafür müssen wir die internationale Koordinierung stärken gegen eine Gefahr, dass jede Belegschaft zunächst nur das jeweilige Werk im Blick hat und dann leichter gegen einander ausgespielt werden kann. Wir brauchen mindestens zweimal im Jahr aktuellen Informationsaustausch für die Koordinierung unserer Kämpfe!

Zum Infobrief Nr. 10 erreichte uns eine berechtigte Kritik: Bei dem Bericht über Kolumbien wurden nur zwei der drei Gewerkschaften des GM-Werkes erwähnt, obwohl ASOTRECOL aktiv an der 1. Internationalen Automobilarbeiterkonferenz teilgenommen hat. Jorge Parra von ASOTRECOL wurde sogar zum Kassenprüfer der IKOG gewählt. Es war eine Missachtung des bedeutenden und ausdauernden Kampfes von ASOTRECOL gegen die Entlassung von verletzten GM-Arbeitern, dass wir ASOTRECOL (außer einem Foto von einer Aktion) nicht erwähnten. Dafür möchten wir uns entschuldigen. Es wäre richtig gewesen in diesem Infobrief alle Teilnehmer aus dem GM- und PSA-Konzern an der 1. Internationalen Automobilarbeiterkonferenz vorzustellen.

  1. Solidarität mit den verurteilten Arbeitern von Maruti Suzuki!

Am 18. März wurden 13 Arbeiter des internationalen Monopols Maruti Suzuki zu lebenslanger Haft verurteilt. Von 18 weiteren Arbeitern wurden vier zu fünf Jahren Gefängnis und die anderen vierzehn zu drei Jahren verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte für die 13 Arbeiter die Todesstrafe durch Erhängen verlangt.

Das Urteil ist konstruiert und ein Skandal. Die 13 Arbeiter, die sich im Juli 2012 in dem größten indischen Automontagewerk – teils an führender Stelle – am Arbeitskampf beteiligten, wurden zu Unrecht verurteilt. In einer Erklärung der provisorischen Führung der Gewerkschaft vom 18.3.2017 heißt es:

Die Anklage und die Verurteilung erfolgten nicht auf der Grundlage von Beweisen, sondern auf der Grundlage von Falschaussagen und reinem Klassenhaß. … Der Angriff auf unsere Gewerkschaftsmitglieder kam einfach weil sie die Führer des Kampfes gegen die Praktiken der Ausbeutung der Arbeit in der Fabrik waren und einen langen Kampf für die Gewerkschaftsrechte und Würde der Arbeiter seit 2011 führten, für die Einheit von Festangestellten und Zeitarbeitern, weil sie eine Abschaffung des Zeitarbeitersystems, die Achtung der Würde der Arbeiter am Arbeitsplatz …. verlangten. Und schließlich wurde unsere Gewerkschaft am 1. März 2012 registriert. Dieser Erfolg der Arbeiter war für die Unternehmungsführung nicht akzeptabel und so wollten sie unsere Gewerkschaft zerstören.“

(Für englisch-Übersetzer: „We reject the falsehood that this is an ‘objective judgement’. The Prosecution Case and Judicial Sentence is based on no evidences, false-witnesses and pure class hatred. (…) The attack on our Union body members is been simply because they have been the leadership of the struggle against the management practices of exploitation of labour in the factory and waged a legitimate long struggle for trade union rights and dignity since 2011 with the unity of permanent and contract workers, demanding the abolition of the contract worker system, dignity in the workplace (...). And finally registered our Union on 1 March 2012. This workers assertion was not acceptable to the management and they wanted to crush our Union.“

Nur wenige Stunden nachdem das Urteil verkündet worden war, traten mehr als 35.000 Arbeiter in einen Solidaritätsstreik. Am 4. und 5. April fand ein nationaler und internationaler Protesttag statt, zu dem auch die ICOG der internationalen Automobilarbeiterkoordinierung aufgerufen hatte. Es gab eine Fülle von Solidaritätsbotschaften, von denen einige auf der Homepage der Internationalen Automobilarbeiterkoordinierung veröffentlicht sind.

Am 1. Mai wurde in vielen Ländern gegen das Schandurteil protestiert und im ganzen Monat Mai wurden Spenden für die Verurteilten und ihre Familien gesammelt.

Weitere Solidarität ist dringend nötig! Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

homepage: marutisuzukiworkersunion.wordpress.com

2. Die Umstellung auf Elektromobilität verschärft die internationale Vernichtungsschlacht der Automobilkonzerne!

In der Autoindustrie steht offenbar eine neuartige internationale Strukturkrise auf der Grundlage der Umstellung der Antriebstechnologie auf Elektromotoren bevor. Wir haben schon lange gefordert, den Einsatz von Verbrennungsmotoren zu beenden. Unsere Forderungen gehen allerdings weiter als nur die Veränderung des Antriebs und wir bekämpfen die Abwälzung dieser Strukturkrise auf den Rücken der Arbeiter! Der wesentlich geringere Aufwand bei der Produktion von Elektromotoren gegenüber Verbrennungsmotoren wird weltweit Millionen Arbeitsplätze in der Autoindustrie in Frage stellen. Wir Industriearbeiter müssen uns an die Spitze des Kampfes für die Rettung der Umwelt vor der Profitgier stellen und entsprechende Forderungen aufstellen, die die Einheit mit dem Kampf um Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen fördern!

Nicht nur VW, sondern praktisch alle Autokonzerne haben systematisch und mit Hilfe der jeweiligen Regierungen die Bevölkerung vergiftet und betrogen. Die Manager, die dafür verantwortlich sind, sind Kriminelle und müssen bestraft werden.

Zur Abwälzung der Krisenlasten planen GM, PSA und die anderen Konzerne massive Angriffe auf die Konzernbelegschaften. GM zieht sich aus den Märkten in Europa, Indien und Südafrika zurück und verkauft teilweise die Werke. Im Jahr 2017 will GM die Werke Valencia in Venezuela, Oshawa in Kanada, Halol in Indien und Elizabeth in Australien schließen, möglicherweise auch das Werk in Port Elizabeth in Südafrika. Darüber hinaus will GM im Werk Rosario in Argentinien 350 Arbeitsplätze abbauen und im Werk Sao José dos Campos in Brasilien sogar über 1000 Arbeitsplätze, was jeweils Protestaktionen hervor gerufen hat. Nachdem 2700 Arbeiter von GM Venezuela per E-Mail gekündigt worden waren, besetzten sie die Fabrik. Auch in anderen Werken kam es zu Kämpfen. Im Juli 2016 protestierte die Gewerkschaft SintraGMCol gegen die Entlassung von 60 Arbeitern, von denen 30 wegen Berufskrankheiten unter Kündigungsschutz standen. Einmalig ist die Mahnwache der entlassenen Arbeiter von GM Bogota in Kolumbien, die mit ihrer Gewerkschaft ASOTRECOL seit über 2100 Tagen vor der US-Botschaft zelten. Ende Mai 2017 verweigerte die US-Botschaft dem Präsident von ASOTRECOL, Jorge Parra, die Einreise in die USA zu einer Solidaritätsreise. Dagegen haben wir eine Solidaritätsresolution verbreitet, in der es hieß: „Unterstützt das Recht von Jorge Parra, Präsident der Vereinigung der verletzten Kolumbianischen GM-Arbeiter (ASOTRECOL), in die USA zu reisen und von ihrer Geschichte zu berichten, indem ihr die sofortige Inkraftsetzung seines Visums fordert!“ (Für Englisch-Übersetzer: Support the right of Jorge Parra, President of the injured Colombian GM workers’ association (ASOTRECOL), to travel to the USA to tell their story, by demanding the immediate reinstatement of his visa.)

Die internationale Koordinierungsgruppe der Automobilarbeiterkoordination und viele der beteiligten Kräfte unserer Koordinierung haben jeweils Solidaritätsbotschaften an die kämpfenden Belegschaften geschickt und die Kämpfe weltweit bekannt gemacht.

In den USA wurde im Januar 2017 die Nachtschicht in den Werken Lansing Grand River und Lordstown (Ohio) gestrichen, außerdem wurde die Streichung einer Schicht im Werk Detroit Hamtramck, in Lansing Delta und im Getriebewerk Warren Transmission angekündigt. Im CAMI-Werk in Ingersoll, Ontario sollen 625 Arbeitsplätze nach Mexiko verlagert werden, was zusammen in diesen sechs Werken in der Automobilregion über 5.300 Arbeitsplätze vernichtet.

Viele der Arbeiter in dieser Region hatten im letzten Jahr Donald Trump gewählt, weil er mit seiner sozialchauvinistischen Demagogie Arbeitsplätze versprochen hatte - auf Kosten der Arbeiter in Mexico und anderen Ländern. In Wirklichkeit ist Trump ein gefährlicher Arbeiterfeind, Frauenfeind, Umweltzerstörer und Kriegstreiber, ein Vertreter der reaktionärsten Kreise des Finanzkapitals. Die Chefin von GM, Mary Barra ist nicht umsonst Beraterin von Trump geworden! Der Amtsantritt von Donald Trump signalisiert eine neue Qualität der Krisenhaftigkeit des herrschenden Systems und des weltweiten Rechtsrucks der Regierungen. Dieser Kurs gefährdet den Weltfrieden und droht den Übergang in eine globale Umweltkatastrophe zu beschleunigen. Der Widerstand gegen diese reaktionäre und gefährliche Politik von Trump war von Anfang an groß. Wir Industriearbeiter müssen uns an die Spitze dieses internationalen Widerstandes stellen.

3. Schmieden wir die Einheit von PSA- und GM-Belegschaften!

Am 14. Februar wurde bekannt, dass General Motors Opel an PSA verkaufen will. Seitdem bereiten sich die kämpferischen Arbeiter von Opel und von PSA auf den länderübergreifenden Kampf um jeden Arbeitsplatz vor.

Anfang April fand in Spanien ein erstes Treffen von Vertretern von drei kämpferischen Gewerkschaften aus den Werken von Opel und PSA (Zaragoza, Vigo und Madrid) statt. Eine enge Zusammenarbeit mit allen kämpferischen Kräften bei PSA und Opel in Spanien wurde vereinbart.

Am 12. Mai besuchte eine Delegation von Opel-Kollegen aus Bochum, Eisenach und Rüsselsheim (Deutschland) Gewerkschafter von der CGT in Mulhouse (Frankreich). An dem Treffen nahmen auch Gewerkschafter der CGT aus den Werken Poissy und Sochaux teil und die deutsche Delegation besuchte anschließend das Werk Sochaux und sprach mit Arbeitern beim Schichtwechsel. So entstehen freundschaftliche Beziehungen zwischen den Belegschaften. Zwei kampferprobte Belegschaften in benachbarten Ländern werden zusammenwachsen und zusammen kämpfen! Dafür bietet die internationale Automobilarbeiterkoordinierung die ideale Plattform!

Es gibt sowohl in Deutschland, in Frankreich und in Spanien bereits eine Diskussion über Forderungen nach Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich. Es ist wichtig, hier zu einer gemeinsamen offensiven Forderung zu kommen.

Kurz vor Bekanntwerden der Fusion von PSA und Opel wurde angekündigt, dass der Opel Mokka (baugleich mit Buick Encore und Chevrolet Trax) in Zukunft im Werk Eisenach gebaut werden soll. Bisher war geplant, dass die europäische Produktion nach Glivice (Polen) kommen soll. Dort soll nach neuen Informationen das Elektroauto E-Ampera für Europa gebaut werden (= Chevrolet Bolt), der bisher aus Orion (Michigan) kommt. Die Modelle Corsa und Adam sollen künftig nicht mehr auf GM-Plattformen laufen, sondern auf PSA-Plattformen. Es zeigt sich bereits, dass die Fusion PSA-Opel mit der Bedrohung der Arbeitsplätze und Werke einher gehen wird, und zwar nicht nur in Europa. Wir müssen uns auf harte Kämpfe vorbereiten und dazu unsere internationale Koordinierung deutlich stärken!

Seit diesem Besuch bekommen wir regelmäßige Informationen von Kollegen der CGT bei PSA. Sie berichten über eine Serie von Arbeitsniederlegungen gegen Flexibilisierung und gegen die Schließung des Entwicklungszentrums La Garenne bei Paris. Sie kämpfen auch gegen politische Unterdrückung von Gewerkschaftern wie dem CGT-Vorsitzenden im Werk Poissy. Die Kollegen des Zulieferers GM&S in La Souterraine kämpfen um ihre 283 Arbeitsplätze und haben ihr Werk besetzt.

Die Zusammenarbeit über Ländergrenzen ist grundlegend um jeden Ansatz zur Spaltung zu überwinden. Wir kennen die Methoden des PSA-Bosses Carlos Tavares. Es sind die gleichen wie bei Renault und Fiat sowie in Deutschland bei der Schließung von Bochum: Mit der der Drohung, sonst die Arbeitsplätze zu vernichten, versuchen sie die kämpferischen und klassenkämpferischen Teile der Belegschaften in die Knie zu zwingen und dem Rest einen Verzicht auf Kämpfe und Akzeptanz von Verschlechterungen aufzuzwingen. Die internationale Arbeitereinheit gegen Werksschließungen muss in den Belegschaften tief verankert werden: Ein Angriff auf einen ist ein Angriff auf uns alle.

Gegen die internationale Arbeitereinheit ging in Deutschland sofort die Hetze gegen die französische Gewerkschaft CGT los, die sich dem Pakt von Carlos Tavares nicht unterworfen hat. Einzelne Betriebsräte in Rüsselsheim und Eisenach diffamierten die CGT als „nationalistisch“ und „auf der Linie des Front National“. Diese Hetze wurde von den kämpferischen Kollegen sofort öffentlich zurückgewiesen.

Wir schlagen den Kollegen bei PSA in allen Werken vor, sich der Internationalen Automobilarbeiterkoordinierung anzuschließen! Dazu wird die Solidaritätscharta in der aktuellen Fassung auf der Homepage des IAWC in vier Sprachen bereit gestellt. Die Solidaritätscharta ist übrigens gerade 10 Jahre alt geworden. Sie wurde beim 5. Internationalen Automobilarbeiterratschlag im Mai 2007 in Stuttgart von neun Delegationen beschlossen und hat inzwischen über 20 Unterzeichner in 12 Ländern! Es ist notwendig, dass immer mehr Gewerkschaften und Belegschaften sich anschließen.

  1. Berichtet vom 1. Mai in euren Ländern!

Am 1. Mai, dem internationalen Kampftag der Arbeiterklasse, trat die internationale Automobilarbeiterkoordinierung in vielen Städten öffentlich in Erscheinung. Die Internationale Koordinierungsgruppe hatte entsprechend den Beschlüssen der 1. Automobilarbeiterkonferenz dazu aufgerufen, am 1. Mai gemeinsam mit einheitlichen Plakaten in der jeweiligen Sprache aufzutreten und so „unserer internationalen Einheit Kraft und Ausdruck zu verleihen“ (aus der Gründungsresolution der IAWC).

Aus Deutschland wissen wir, dass in Bochum, Eisenach und Rüsselsheim die gemeinsamen Plakate am 1. Mai getragen wurden und dass Spenden für die Kollegen von Maruti-Suzuki gesammelt wurden.

Bitte, berichtet uns vom Auftreten am 1. Mai bei Euch und auch von der Arbeit, die ihr zum 8. März, dem Kampftag zur Befreiung der Frau gemacht habt.

Wir danken für die erhaltenen Informationen. Wir möchten aber alle Leser dieses Infobriefes auffordern, sich noch mehr am Informations- und Meinungsaustausch für die Koordinierung unserer Kämpfe zu beteiligen. Es kommt nicht nur darauf an, etwas zu schicken wenn gerade eine Belegschaft angegriffen wird und wenn bereits Kämpfe stattfinden. Wichtig sind auch die täglichen Diskussionen wie die Belegschaften den Weg in die Offensive finden, womit sie dabei fertig werden müssen. Auch Fragen, Kritiken und Hinweise zur Koordinierung der Arbeit sind sehr willkommen. Wir schlagen vor, zu beraten, dass möglichst aus jedem beteiligten Werk regelmäßig, ob monatlich oder vierteljährlich, kurze Berichte geschickt werden! Wir müssen unbedingt gemeinsam an der Stärkung unserer Koordinierung arbeiten! Solche Berichte wollen wir in Zukunft auch direkt auf der Homepage der internationalen Automobilarbeiterkoordinierung veröffentlichen.

Mit herzlichen und solidarischen Grüßen