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Solidaritätscharta GM / Opel / PSA

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Solidaritätscharta GM / Opel / PSA(Beschlossen beim 5. internationalen Automobilarbeiterratschlag im Mai 2007 in Stuttgart, erweitert im Oktober 2009 in Hannover und im Mai 2012 in München)Wir, die GM-Delegationen am 5. internationalen Automobilarbeitratschlag erklären:


Wir richten uns gegen die Verletzung von Arbeiterrechten, Arbeitsplatzvernichtung und  Arbeitsbedingungen, die auf Kosten unserer Lebensverhältnisse gehen und die Gesundheit der Kollegen zerstören. Die Rechtlosigkeit wird durch die Leiharbeit im ganzen Konzern, weltweit auf die Spitze getrieben. Mit "irgendeiner Arbeit" geben wir uns nicht zufrieden, wir verkaufen unsere Arbeitsplätze nicht. Unsere Jugend braucht für die Zukunft Arbeitsplätze zu würdigen Bedingungen. Jung und Alt gemeinsam sind verantwortlich für die Zukunft der Jugend. Deshalb kämpfen wir um jeden Arbeitsplatz! Wir haben wichtige Kampferfahrungen gesammelt: in den USA 1998, in Bochum 2000 und 2004, in Kolumbien 2006, in Antwerpen 2007. Weltweit arbeiten wir in einem gemeinsamen Produktionsverbund eng zusammen.
Wir haben erkannt: Wir sind stark, wenn wir die Spaltung überwinden. In den Belegschaften heißt das: befristet Beschäftigte, Leiharbeiter, Arbeiter aus ausgegliederten Bereichen und von Zulieferern und Stammbelegschaften, Arbeitende und Arbeitslose gemeinsam! International müssen wir über Ländergrenzen hinweg und konzernweit nach vorne gehen. Standortverträge, von denen wir uns in Konkurrenz treiben lassen, sind der falsche Weg. Solidarität heißt nicht, sich gemeinsam zu beugen ("pain sharing"), sondern aufrecht zu kämpfen! Wir werden uns nicht mehr erpressen lassen! Wir Automobilarbeiter wollen unsere Einheit einbringen, um als Arbeiter weltweit in die Offensive zu gehen. Wir sehen unsere große Verantwortung für die Arbeiteroffensive  international. Wir fordern:
* Gleicher Lohn für gleiche Arbeit
* für ein internationales, allseitiges, vollständiges und gesetzliches Streikrecht
* Für Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich weltweit bis zum 6-Stundentag
* freie politische und gewerkschaftliche Betätigung bei GM und anderswo
* Anerkennung der Gewerkschaften im ganzen Konzern und weltweit
* Umwandlung der Leiharbeitsverhältnisse in feste Arbeitsverhältnisse!Wir brauchen und verteidigen dazu starke, und überparteiliche Gewerkschaften, die die Arbeiter zusammenschließen und tragen dazu mit einer aktiven, positiven Gewerkschaftsarbeit bei. Wir treten für unsere gewerkschaftlichen Rechte ein und protestieren gegen alle Formen der Unterdrückung im Konzern, der politischen Kündigungen und der Verfolgung und Ermordung von Gewerkschaftern wie in Kolumbien.
Einer für alle – alle für einen! Das ist heute dringender denn je und weist in die Zukunft. Wir entfalten aktiv eine breite Diskussion darüber, wie wir zu einer solidarischen Gesellschaft, frei von Ausbeutung und Unterdrückung kommen. Wir arbeiten dafür:
* Wir informieren uns gegenseitig über unsere Situation und unsere Kämpfe und machen sie bei uns bekannt. Wir organisieren eine breite Debatte in unseren Belegschaften, damit sie fertig werden mit jeder Spielart einer spalterischen, konkurrierenden oder demoralisierenden Denkweise. Wir akzeptieren keine Vereinbarungen, die auf Kosten der GM-Belegschaften anderer Länder gehen.
* wir organisieren die Solidarität praktisch und lassen uns nicht zu Streikbruch missbrauchen
* wir werden auch in Zukunft jeden Kollegen gemeinsam unterstützen, der von Repressionen durch GM betroffen ist
* wir unterstützen uns auf verschiedenste Weise über Ländergrenzen hinweg: materiell, moralisch, durch Solidaritätsaktionen bis hin zu den Kampfformen der Zukunft: international koordinierte und vereinigte Aktionstage im Konzern, Massendemonstrationen und konzernweite Streiks.In allen unseren Werken und Gewerkschaften wollen wir diese Charta verbreiten und weitere Unterstützer gewinnen. Die Zeit ist reif, Grenzen zu überschreiten: Standortgrenzen, Ländergrenzen oder die Grenzen der Ohnmacht - lasst uns kämpfen, gemeinsam Hand in Hand!Unterzeichner:

Belgien - Delegation des Automobilarbeiterratschlags aus dem GM Werk Antwerpen/Belgien

Brasilien - Sindicato dos Metalurgicos de Sao José dos Campos e Regiao, Brasilien

Deutschland - Aktivisten der Kollegenzeitung Blitz sowie Belegschaftsmitglieder von Opel aus Rüsselsheim, Bochum und Eisenach sowie von Johnson Controls Bochum

Frankreich - Delegation von PSA Aulnay

Indien - Gautam Mody NTUI (Neue Gewerkschaftsinitiative Indien) und Nihil Mehta, Vorsitzender der Gewerkschaft Gujarat Kamdar Mandal (Werk Halol)

Kolumbien – Sindicato Sintraime Seccional Bogota (Gewerkschaft Sintraime Bogota)

Polen - Gewerkschaft „August 80“ aus dem Opelwerk Gliwice

Russland – Delegation der Gewerkschaft von GM St. Petersburg und GM – AvtoVAZ Local of Interregional Autoworkers Trade Union – Andrej Ljapin

Spanien - CGT – Confederation General del Trabajo – Opel Zaragoza und PSA Madrid

Ungarn - Lazslo Kiss, Gewerkschaftsvorsitzender Suzuki Esztergom

USA - Larry Goldbetter UAW Local 1981 und Frank Hammer, UAW Detroit und Autoworkers Caravan

Venezuela - Delegation aus dem GM-Werk Valencia und Gewerkschaft Sintra

Durch die auf dem 7. IAAR 2012, anwesenden Arbeiter und Gewerkschaftsvertreter aus 10 GM- und PSA-Werken einstimmig beschlossene Ergänzung:
Wir bekräftigen die Solidaritätscharta des Automobilarbeiterratschlags von 2007 und beziehen ausdrücklich unsere hier anwesenden Kollegen von PSA ein. Damit haben wir begonnen, auch die Allianz der Arbeiter mit den PSA-Kollegen zu schmieden.
Es ist pervers, wenn GM von überflüssigen Werken und Arbeitern redet, während die Menschheit nach umweltfreundlichen Verkehrssystemen schreit. Wir würden mit Freude unsere Fähigkeiten in der Entwicklung und Produktion dafür einsetzen. Das wäre ein wichtiger Schritt im Kampf für eine Gesellschaft in der die Einheit von Mensch und Natur grundlegend ist und unsere natürlichen Lebensgrundlagen vor der Profitwirtschaft gerettet werden können. Auch eine Arbeitszeitverkürzung würde Werksschließungen, sowie der Überarbeitung der einen und Unterbeschäftigung der anderen entgegen wirken. Wir haben mit der Produktivitätssteigerung bei GM den vollen Lohnausgleich für eine Arbeitszeitverkürzung längst bezahlt!


Das alles werden wir erkämpfen müssen. Wir Arbeiter werden nicht immer sofort, aber am Ende, werden wir siegen.