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Internationaler Informationsbrief GM-PSA Nr. 10 – Februar 2016

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Von den Repräsentanten der internationalen Konzernzusammenarbeit GM / PSA

Internationaler Informationsbrief GM-PSA

Nr. 10 – Februar 2016

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Freundinnen und Freunde!

herzlichen Glückwunsch an uns alle zu der 1. Internationalen Automobilarbeiterkonferenz vom 14. bis 18. Oktober in Sindelfingen! Wir hoffen, dass alle Teilnehmer gut wieder nach Hause gekommen sind und die gemeinsamen Erfahrungen bei sich verbreiten.

Die Delegierten der Konferenz beschlossen die Gründungsresolution und die Organisationsprinzipien der Internationalen Automobilarbeiterkoordination und wählten eine zehnköpfige Koordinierungsgruppe. Das bedeutet eine neue Stufe der Zusammenarbeit nach 17 Jahren der Vorbereitung mit sieben Automobilarbeiterratschlägen. In der Gründungsresolution heißt es:

Wir Automobilarbeiter sind ein bedeutender Teil von Hunderten Millionen Industriearbeitern. Wir setzen alles daran, dass wir gemeinsam eine überlegene Kraft werden gegenüber dem internationalen Finanzkapital, das heute die Weltwirtschaft und -politik und die staatlichen Unterdrückungsapparate beherrscht.

Wir rufen alle Automobilarbeiter, Frauen und Männer, und mit dem Kampf der Automobilarbeiter Verbundenen auf, mit der Unterzeichnung der Gründungsresolution

Mitglied der internationalen Koordinierung zu werden.“ gm 10 b

Die Abschlussresolution fasst die begeisternden Ergebnisse zusammen:

Aus einer Fackel werden Tausende – wir tragen sie in die Welt!

Erfolgreich und begeisternd hat die 1. Internationale Automobilarbeiterkonferenz vom 14. bis 18. Oktober in Sindelfingen/Deutschland stattgefunden. Die 17-jahrelange Vorbereitung durch sieben Automobilarbeiterratschläge erreichte ihren Höhepunkt mit der Gründung einer internationalen Bewegung der Automobilarbeiterkoordination.

41 Delegierte aus 19 Ländern beschlossen einstimmig die Gründungsresolution, die Organisationsprinzipien und wählten eine internationale Koordinierungsgruppe für die verbindliche, dauerhafte Zusammenarbeit. Sie repräsentieren als aktive Gewerkschafter und Vertrauensleute die kämpferische Basis von Belegschaften der wichtigsten multinationalen Konzerne der Automobil- und Zulieferindustrie weltweit.“

Alle Dokumente sind auf der Homepage www.iaar.de zu finden und sollten möglichst breit bekannt gemacht werden. Wir haben auch nicht nur diskutiert, sondern auch gefeiert und eine kämpferische Demonstration durch die Innenstadt von Sindelfingen gemacht.

Künftig wird es unter anderem jedes Jahr gemeinsame Aktivitäten in der Zeit zwischen dem 28. April und dem 1. Mai geben, die sich auf den internationalen Tag der Arbeitssicherheit und auf den internationalen Kampftag der Arbeiterklasse beziehen.

Die Krise um den Volkswagen-Konzern beschäftigte die Konferenz natürlich intensiv und wir haben unsere Schlussfolgerungen für den Kampf um die Rettung der Erde vor der Profitwirtschaft gezogen.

Im Konzernforum für GM- und PSA-Belegschaften waren zehn Länder vertreten, darunter einige neue Kollegen. Wir diskutierten vor allem, dass wir künftig noch enger zusammenarbeiten wollen, nicht nur zur Solidarität mit Kämpfen, sondern auch zum Austausch von Erfahrungen, wie die tägliche Diskussion mit den Kollegen an den Fließbändern verbessert werden kann um größere gemeinsame Kämpfe vorzubereiten. Dazu gehören aber auch alle Lebensfragen, die Gegenstand unserer täglichen Kleinarbeit sind wie die Wohnungssituation, die Flüchtlingsbewegung, die Situation der Familien, die Gesundheit, die Umweltfrage usw.

Wir wurden informiert, dass unter Anderem in Indien und Frankreich weitere Werksschließungen drohen. Dagegen werden wir gemeinsam kämpfen! Bitte, informiert uns immer aktuell!

Die drei öffentlichen Repräsentanten der Konzernzusammenarbeit bei GM und PSA wurden bestätigt: Mancha (Luiz Carlos Prates) aus Brasilien, Frank Hammer aus den USA und Fritz Hofmann aus Deutschland. Wir bedanken uns für das Vertrauen!

Die zweite Internationale Automobilarbeiterkonferenz wird im Jahr 2019 stattfinden. Städte, die diese Konferenz ausrichten möchten, können sich noch bewerben.

Hier kommen wie gewohnt aktuelle Informationen aus dem Konzern:

  1. Kampf gegen Werksschließungen in Indien und Frankreich

Bereits bei der Automobilarbeiterkonferenz erfuhren wir, dass GM das Werk in Halol / Indien schließen will und dass PSA eines der beiden Werke in Metz / Frankreich schließen will.

Auf einen Aufruf aus Indien haben wir Solidaritätsbotschaften organisiert. Im Januar haben die Arbeiter von GM Halol mehrere Tage Proteste vor der GM-Niederlassung organisiert. In dem Werk arbeiten 1.500 Arbeiter, davon rund ein Drittel als Leiharbeiter. Die Leiharbeiter organisierten Sitzstreiks vor dem Werkstor für die Festeinstellung. Gegenwärtig prüfen die Behörden des Bundesstaates Gujarat den Antrag von GM auf Verlagerung der Produktion in sein Werk Talegaon in Maharshtra. Vor über 20 Jahren hat GM das Land in Halol billig von den Bauern gekauft. Jetzt möchten sie es teuer weiter verkaufen, weil es in dem geplanten Industriegürtel von Delhi bis Mumbai liegt. Dagegen steht der Widerstand der kampferprobten Belegschaft von Halol und die internationale Solidarität. Diese kann weiterhin an Nihil Mehta gerichtet werden, den Generalsekretär der Gewerkschaft Gujarat Kamdar Mandal: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

  1. Solidarität mit den Kollegen von GM-Bogota / Kolumbien

Am Montag 26.10.2015 bekamen die Arbeiter bei GM-Bogota von der Geschäftsführung einen Brief. Darin wurden sie aufgefordert, gegen eine individuell auszuzahlende Abfindung „freiwillig“ auf ihren Arbeitsplatz zu verzichten!

Dies Angebot würde nur bis zum 31.10.2015 gelten, danach würden Kündigungen ohne Abfindungszahlung durchgeführt werden.gm 10 a

Für 28 Arbeiter wurden sofortige Kündigungen ausgesprochen. Unterstützt von ihrer Gewerkschaft SINTRA-GM-COL klagten die Kollegen gegen ihre Entlassung. Die Kündigung eines Kollegen musste von GM-Bogota zurückgenommen werden. Es ist sehr wichtig, dass die beiden Gewerkschaften im Betrieb, SinraGMCol und Sintraime, beides Teilnehmer der Internationalen Automobilarbeiterkonferenz oder der Ratschläge, eng zusammenarbeiten! Die Auseinandersetzung um die Arbeitsplätze geht weiter, die Kollegen brauchen solidarische Unterstützung! Schreibt Solidaritätsadressen an die Gewerkschaft SintraGMCOL Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! und den Betriebsratsvorsitzenden Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder an die Gewerkschaft Sintraime Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

  1. Am 16. Januar 2016 haben die Kollegen der Betriebsratsliste „Offensiv“ von Opel Bochum / Deutschland gemeinsam mit der bundesweiten Montagsdemo-Bewegung und der Fraueninitiative „BASTA!“ eine große Veranstaltung zum Jahrestag der Werksschließung in Bochum durchgeführt. Zehn Internationale Grußbotschaften zu dieser Veranstaltung haben zum Ausdruck gebracht, wie die Fackel des Kampfes in anderen Werken und anderen Ländern vervielfacht und weitergetragen wird. Herzlichen Dank für diese wunderbaren solidarischen Grüße!

Es ist General Motors nicht gelungen, mit dieser Werksschließung der Arbeiterschaft eine demütigende Niederlage beizubringen. Im Gegenteil, sie haben es nicht geschafft, diese Belegschaft in die Knie zu zwingen.

Die Kollegen der Betriebsratsliste „Offensiv“ sagten in ihrem Beitrag:

Die wirkliche Lehre von Opel Bochum ist: Das Werk wurde nicht geschlossen, weil wir gekämpft haben, sondern weil wir unter anderem 2004 so entschlossen gekämpft haben, konnte die Schließung über zehn Jahre verhindert werden!“

Im Werk Eisenach und im Getriebewerk Rüsselsheim will Opel die Samstagsarbeit als Regelarbeitszeit einführen. Bis jetzt ist es der Belegschaft bei Opel gelungen, das Wochenende als zwei Tage der Erholung, der Zeit für die Familie und für soziale Aktivitäten frei zu halten. Die Kollegen werden mit der erneuten Erpressung konfrontiert, dass die Zukunft der Arbeitsplätze gefährdet sei wenn nicht Samstags voll produziert werden könne. Es ist wichtig, diese Auseinandersetzung auch als gemeinsamen internationalen Kampf gegen Erpressung und Spaltung zu verstehen. Wenn es GM gelingt, in fünf Werken Samstags zu produzieren, wird ein Werk von Schließung bedroht sein. Deshalb ist es auch gut, dass die Kollegen in Eisenach und im Schwesterwerk Zaragoza durch die Automobilarbeiterkonferenz in enger Verbindung stehen.

Eine Kernfrage in der Belegschaft in Deutschland ist gegenwärtig, ob wir uns dem vom Management vorgegebenen Ziel einer angeblichen „Schwarzen Null“ in der europäischen Bilanz von Opel beugen oder selbstbewusst unsere Forderungen stellen. Wir lehnen die Propaganda von den „Verlusten“ ab, die wir angeblich seit vielen Jahren produzieren sollen. Es geht nur um die Steigerung der Maximalprofite im Konkurrenzkampf um die Weltmarktführung, für die man uns einspannen und in Konkurrenz gegeneinander treiben will. General Motors hat für das Jahr 2015 einen Rekordgewinn von 9,7 Milliarden Dollar veröffentlicht.

General Motors ist wegen der VW-Krise gezwungen, Dieselmotoren mit großem Aufwand nachzurüsten. Deshalb wird es voraussichtlich bei Kleinwagen wie dem Corsa keine Dieselmotoren mehr im Angebot geben. Das beweist indirekt, dass auch General Motors in der Vergangenheit die Öffentlichkeit über die Schädlichkeit der Motoren getäuscht hat. Wir treten für ein Verkehrswesen komplett ohne schädliche Emissionen ein! Auf keinen Fall akzeptieren wir, dass die Arbeiter für die Folgen bezahlen in Form von Lohnkürzungen, Ausdehnung der Arbeitszeit oder anderen Verschlechterungen!

4. vom 18. bis 25. Januar streikten die Kollegen von GM Sao José dos Campos in Brasilien erfolgreich für höhere Bonuszahlungen und gegen eine angedrohte Kürzung. Herzlichen Grückwunsch! Wir konnten Solidaritätsbotschaften aus Indien, Iran, Südafrika, Kolumbien, Deutschland und von der ICOG der Automobilarbeiterkonferenz vermitteln. Auch die Streikbereitschaft in den beiden anderen brasilianischen Werken von GM, Sao Caetano do Sul und Gravatai hat sicher sehr geholfen, GM zum Nachgeben zu bewegen.

5. Anfang Dezember 2015 erreichten uns Solidaritätsaufrufe für zwei wichtige Streiks in den USA:

  • Der Familienkonzern Kohler in Wisconsin, eng mit dem ultrareaktionären Gouverneur Scott Walker verbunden, will in seinem Werk den berüchtigten „Zwei Schichten-Lohn“ (für engl.-Übersetzer: „two-tier-wage“) einführen. 94 Prozent der 2.100 Beschäftigten stimmten für Streik und erklären als Streikposten stolz, dass sie, die von der niedrigen zweiten Lohnschicht nicht selbst betroffen sind, aber für künftige neu eingestellte Kollegen kämpfen.

  • In Saginaw, Michigan lehnten 97 Prozent der 3.200 Arbeiter des Zulieferers Nexteer (ehemals GM-Konzern, heute beim chinesischen Pacific Century Motors) einen Kompromiss bei den Lohnverhandlungen ab und traten in den Streik. Die Gewerkschaftsführung hatte dem Kompromiss bereits zugestimmt. Das GM-Werk in Flint war unmittelbar von fehlenden Teilen betroffen.

    Wir leiten solche Solidaritätsaufrufe in der Regel unmittelbar im Konzern weiter.

4. In einem Werk von Faurecia (PSA-Konzern) bei Betzdorf in Westdeutschland kam es im November 2015 zu einer mehrtägigen Arbeitsniederlegung. Damit haben sich die Kollegen gegen drohende Entlassungen und Lohnkürzungen gewehrt. Wir haben den Kollegen die folgende Solidaritätserklärung überbracht:

Liebe Kolleginnen und Kollegen

im Namen der internationalen Konzernkoordinierung bei General Motors und PSA möchte ich Euch zu eurem konsequenten Schritt beglückwünschen, die Produktion durch eine unbefristete Betriebsversammlung still zulegen.

Das ist die richtige Antwort auf die unverschämte Ankündigung des Konzerns, dass 40 Prozent der Arbeitsplätze vernichtet werden und die restlichen Kollegen auf 32 Prozent ihres Lohnes verzichten sollen. (...)

Ihr könnt sicher sein, dass wir euren Kampf weltweit bekannt machen und die Solidarität fördern werden. Mehr Informationen über die Internationale Automobilarbeiterkonferenz findet ihr unter www.iaar.de

Nehmt Kontakt auf mit der Koordinierung bei GM und PSA!“

Wir danken wie immer für die vielen Informationen.

Mit herzlichen und solidarischen Grüßen

Luiz Carlos Prates (Mancha), Frank Hammer und Fritz Hofmann