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Infobrief Nr. 2 der Deutschen Koordinierungsgruppe der INTERNATIONALEN AUTOMOBILARBEITER KOORDINATION

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Infobrief Nr. 2

September 2016

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

seit dem letzten Infobrief vom März haben verschiedene Trägergruppen Initiativen gegen die Abwälzung der Krisenlasten durch VW und zur Solidarität mit den Mercedes-Kollegen in Brasilien entwickelt (vgl Homepage).

Die VW-Krise bekommt immer wieder neue Höhepunkte, nichts ist erledigt! Bei Audi muss der Entwicklungschef Knirsch wegen falscher eidesstattlicher Erklärung gehen.

Er war schon länger in die Manipulation verstrickt, als er erklärt hatte. Bosch wird in USA wegen aktiver Mittäterschaft angeklagt. Im August wurde im Streit zwischen VW und Prevent sichtbar, wie anfällig die "just in sequenz" - Produktion ist. Dies zeigt, wie schnell ein Streik ganze Konzerne lahm legen kann. Ein gemeinsamer Kampf der Arbeiter in Autokonzernen und in der Zuliefererindustrie kann eine gewaltige Kraft entfalten.

Für das "System VW" war es ein Beispiel, hatten Landesregierung und Betriebsratsspitze in Vasallentreue sofort Partei für VW ergriffen und in die Drohungen gegen die Zulieferer eingestimmt. Den Kasseler Kollegen stieß sauer auf, dass sie lange im Unklaren waren und tageweise, bis zu über einer Woche, auf eigene Kosten (Stundenkonto) nach Hause geschickt wurden. Die Möglichkeit nach Tarifvertrag, diese Zeit zumindest teilweise zu bezahlen, wurde von VW verweigert und von der Betriebsrats-Führung nicht verfolgt.

Weiter wurde breiter durch die Medien bekannt, welche gravierende Auswirkungen der Ausfall der Gewerbesteuer von VW in vielen Gemeinden hat. Aus Wolfsburg, Braunschweig, Ingolstadt, Osnabrück, Weissach (bei Stuttgart), Zwickau, Salzgitter, Chemnitz... wird berichtet, dass Kita-Gebühren, Parkgebühren, Friedhofsgebühren, Eintrittsgelder, Hundesteuer, Grundsteuer (für Hausbesitzer) usw. erhöht werden und Zuschüsse gestrichen, Stellen abgebaut, Investitionen gekürzt werden. Aber das System wird nicht hinterfragt. Die Führung des VW-Konzerns hat mit Hilfe des Staates durch kriminelle Machenschaften jahrelang bewusst Abgaswerte manipuliert. Jeder Bürger muss schon bei Ordnungswidrigkeiten Strafen bezahlen. Piech/Porsche und Qatar streichen weiter Milliarden Gewinne ein. Alles ganz legal. Was ist das für ein System, wo solche Profiteure und Vertuscher für Betrug Steuererleichterung bekommen?

Längst geht es nicht nur um VW. Alle Autokonzerne und Zulieferer wie Bosch und Regierungen sind Teil des kriminellen Geflechts mit Regierungen von Manipulation, Vertuschung zu Lasten der Gesundheit und der Umwelt. Nicht nur bei Abgasen, sondern auch bei, z.B. illegalen Preisabsprachen (LKW, Stahl) zeigt sich ihre kriminelle Energie für den Maximalprofit.

Als Automobilarbeiterkonferenz haben wir uns klar positioniert: Wir akzeptieren nicht, dass auf Kosten von uns, der Umwelt und der Zukunft der Jugend Verbrechen von VW und allen anderen Autokonzernen gedeckt und vertuscht werden. Das Verursacherprinzip gegen VW-Vorstand und Großaktionäre muss durchgesetzt werden. Kein Abwälzen der Krisenlasten auf die Belegschaften und die Gesellschaft! Ein Verkehrssystem ohne Nutzung fossiler Brennstoffe!

Zur Organisierung des Widerstands wird eine bundesweite Bewegung mit einer Unterschriftensammlung unter ein „Zukunftsprogramm“ und breiter Zusammenarbeit in Komitees gegen die Abwälzung der Krisenlasten durch VW und andere Autokonzerne aufgebaut. Das ist ja genau der Geist der Internationalen Automobilarbeiterkonferenz. Deshalb haben sich auch verschiedene Trägergruppen mit den Komitees identifiziert oder sie mit gegründet. Das Komitee in Kassel hat inzwischen eine Kurzversion zum Unterschreiben herausgegeben. Sammelt breit Unterschriften. Die öffentlichen Unterzeichner werden auf unserer Homepage veröffentlicht. Die Listen bleiben an den Orten, meldet aber bitte die Anzahl der Unterschriften an die Homepage.

Es wird deutlicher, dass wir vollkommen richtig lagen mit unserer Verurteilung der kriminellen Machnschaften. Es ist gut, wenn die Fassade der "Betriebsfamlie" bröckelt. Wenn kämpferischen Kräfte Flagge zeigen, können sie an Einfluss gewinnen. Verunglimpfungen von Geschäftsleitungen, wie "Netzbeschmutzer" fallen auf die Verursacher zurück, von wegen "nichts gewusst". Manche rechte Gewerkschaftsführer sehen ihre Klassenzusammenarbeit in Gefahr. Breites Medienecho hat die Aktion vor der Hauptversammlung von VW im Juni gefunden. Danke an die Kolleginnen und Kollegen aus Hannover und umliegenden Orten.

Die KOG hat, wie auf dem Delegiertentreffen im Januar 2016 beschlossen, eine Dokumentation von der 1. Internationalen Automobilarbeiterkonferenz herausgebracht. Sie kann noch bestellt werden (siehe Homepage). Verbreitet diese Broschüre, denn sie zeigt, dass sich Arbeiter über Ländergrenzen hinweg gegen die Spaltungsversuche zusammenschließen können. Unsere beschlossenen Dokumente sind ein positives internationales Programm. Der Verkauf für 2 EUR dient auch der Eigenfinanzierung (Sammelbesteller bekommen sie für 1 EUR).

Die Beschäftigten von Daimler in Brasilien hatten im August durch Demonstrationen und Streiks einen Teilerfolg erkämpft. Die 1870 Entlassungen im LKW-Werk São Bernardo hat Daimler zunächst zurückgezogen und stattdessen ein Abfindungsprogramm und Kurzarbeit angeboten. Jedoch am 7. September dann 370 Kündigungen ausgesprochen, weil nicht genügend Kollegen die Abfindungen angenommen hätten. Die Belegschaft kämpft weiter, Solidaritätsadressen von Stuttgart und Bremen sind auf der Homepage. Bitte Soliadressen zur Veröffentlichung auch an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! senden.

Die internationale Zusammenarbeit unter Konzernkollegen konnte bei VW mit dem ersten Infobrief (siehe homepage) gefestigt werden.

Am 17.9. haben in 7 Städten Kundgebungen gegen CETA und TTIP stattgefunden mit einer breiten Beteiligung. Die Kundgebungen wurden zur Verbreitung der Internationalen Automobilarbeiterkoordination und der Unterschriften für das "Zukunftsprogramm" genutzt. Danke für den lebendigen Bericht mit Foto vom Transparent in Stuttgart. Bitte sendet Berichte von euren Aktivitäten an die Homepage, zum Erfahrungsaustausch und um zum Mitmachen zu motivieren.

Viel Erfolg

in der Gewinnung von neuen Mitstreitern für die internationale Automobilarbeiterkoordination,

in der stabilen, verläßlichen Weiterarbeit in den Trägergruppen der einzelnen Orte und

in der Pflege und Weiterentwicklung der internationalen Beziehungen,

Eure Koordinierungsgruppe (i.A. Sprechergruppe)