Drucken

Informationsbrief Nr. 4

am .

Nach den erfolgreichen Streiks im Juli für deutliche Lohnerhöhungen bei VW Bratislava (Slowakei) und bei Fiat Kragujevac (Serbien) entwickelt sich aktuell weltweit der Kampfwille und die Kampfbereitschaft der Belegschaften in der Automobilindustrie weiter.
 
Aktuell mobilisiert die VW-Belegschaft in Palmela/Lissabon (Portugal) entschieden gegen die Verschärfung der Ausbeutung durch die von Autoeuropa Volkswagen angekündigte Ausweitung der Arbeitszeit durch regelmäßige Samstagsarbeit. Ein Streik wird für den 30. August vorbereitet. Weitere Streiktage werden im September folgen.

Bei Ford in São Bernardo de Campo (Brasilien) entwickelt sich der Kampf gegen die Kündigungen vom 10. August von 364 Beschäftigte (10% der Produktionsarbeiter). Der Gewerkschaftsverband Conlutas ruft alle Metallarbeitergewerkschaften zu landesweiten Streiks und Demonstrationen am 14. September auf.

In Südkorea haben sich die Belegschaften von Hyundai Motors, Kia Motors und GM Motors in den Verhandlungen über neue Tarifverträge mit großer Mehrheit für Streiks ausgesprochen. In der vergangenen Woche traten tausende Hyundai-Arbeiter mehrere Stunden in den Streik. Am Wochenende wurden Überstunden abgelehnt. Die Metallarbeitergewerkschaft KMWU fordert deutliche Lohnerhöhungen und die Ausschüttung von 30 Prozent des Gewinns als Bonus an die Belegschaft.

In China kämpfen 500 Kollegen bei VW Chanchun selbstbewusst für ihre Übernahme zu VW – nach 10 Jahren Leiharbeit. Bei einer Protestaktion im Mai wurden drei Aktivisten verhaftet, einer sitzt noch im Gefängnis.

Immer selbstbewusster entwickeln sich in Deutschland kämpferische Aktionen z.B. gegen die Entlassung von Leiharbeitern bei VW, Opel und Daimler. Dass die Aufdeckung und Anklage der Verantwortlichen der VW-Abgasmanipulationen verhindert wird und die Verflechtung von Autoindustrie und Regierung bis hin zu einem kriminellen „Autokartell“ immer deutlicher zum Vorschein kommt, stürzte die deutsche Bundesregierung und alle Autokonzerne in Europa in eine tiefe Glaubwürdigkeitskrise.

In Spanien, wo die Gewinne der Unternehmer hundertmal größer sind als die Löhne der Arbeiter, ist durch den Kauf von Opel durch die PSA-Gruppe der Fortbestand des Werks von Villaverde (Madrid) bedroht. Die Führungen der reformistischen Gewerkschaften haben bereits 341 Entlassungen akzeptiert, die Streichung einer Schicht und bis zu 100 Tage im Jahr nach dem Gesetz zur Regelung von Massenentlassungen (ERE) bis 2020. Nur die Gewerkschaft CGT hält an dem Kampf gegen die Entlassungen fest.

Die Autokonzerne reagieren zunehmend nervöser und versuchen, kämpferische Kollegen zu unterdrücken. So suspendierte Porsche den Kollegen Sigmar Herrlinger (Stuttgart) von der Arbeit, weil er den Abgasbetrug auf der Betriebsversammlung anprangerte und die Bestrafung der Verantwortlichen forderte. In Bursa (Türkei) wurde die Kollegin Dilek Gültekin vom Autozulieferer Yazaki aus politischen Gründen gekündigt. In Frankreich wurde Farid Borsali, Gewerkschafter der CGT Frankreich bei PSA Poissy, verurteilt, weil die CGT Verträge mit PSA nicht unterzeichnet hat. Bei Nissan in Canton/Mississippi (USA) hat die mehrheitlich afroamerikanische Belegschaft nach 14 Jahren Kampf die Anerkennung ihrer gewerkschaftlichen Vertretung mit freien Wahlen erreicht.

Gegen diese Repressionen gegen kämpferischen Automobilarbeiter fördert auch die Internationale
Automobilarbeiterkonferenz die internationale Solidarität!
 
Anlässlich des 5. Jahrestags des Kampfs bei Maruti Suzuki in Indien Mitte Juli wurde eine große Demonstration in Gurgaon organisiert. Die Arbeiter bei Maruti Suzuki bekräftigten zusammen mit vielen Arbeitern und Gewerkschaften aus anderen Betrieben und Branchen die Notwendigkeit, den Kampf für Gerechtigkeit und für die Freilassung der 13 zu lebenslanger Haft verurteilten Gewerkschaftsführer fortzusetzen. Geld für die Unterstützung der Familien der inhaftierten Arbeiter wird weiter gesammelt.

All diese Kämpfe sind Ergebnis eines wichtigen Lernprozesses unter uns Automobilarbeitern, ganz im Sinne der 1. Internationalen Automobilarbeiterkonferenz und ihrem Motto: „Aus einer Fackel werden Tausende – wir tragen sie in die Welt“. So schrieben die drei Sprecher der Konzernzusammenarbeit der VW-Kollegen an die Kollegen in Bratislava: „Ihr habt selbstbewusst international ein sehr wichtiges Zeichen gesetzt, euch nicht mehr der Profitlogik der Konzernherren zu beugen! Ihr habt euch an einem wichtigen Punkt der Ausbeutungsoffensive der Konzernherren widersetzt! Nicht deren "VW Familie", sondern unsere Klasseninteressen stehen im Vordergrund! Ihr seid nicht Arbeiter 2. Klasse! Ihr habt euch nicht von Spaltungsversuchen und den Klagen der „Gefährdung des Standortes Bratislava“ einschüchtern lassen! Herzlichen Glückwunsch zu diesem Erfolg!“

Die Internationale Koordinierungsgruppe der Automobilarbeiter-Koordination ruft alle Automobilarbeiter und ihre Familien, sowie alle Freunde und Unterstützer auf:

Organisiert die Solidarität mit den kämpfenden Belegschaften und ergreift weitere Initiativen zur ihrer Koordinierung, wie z.B. Solidaritätsaktionen zu den geplanten Streiks!

Solidarisiert euch gegen die Unterdrückung und Entlassung kämpferischer Kollegen!

Unterstützung braucht weiterhin auch der bedeutende Kampf der Suzuki-Maruti-Arbeiter in Indien gegen die Verurteilungen von 13 Streikaktivisten zu lebenslanger Haft!

Hoch die internationale Solidarität!

Carlos Luiz Prates Mancha (Brasilien), Diego Rejon Bayo (Spanien), Jörn Kleffel (Deutschland)
Koordinatoren der ICOG